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ORTSTERMIN: BEI DER PARLAMENTARISCHEN FAHRRADTOUR
Martin Lassak
Anzug tragen ist kein Argument, nicht Rad zu fahren

Als der Parlamentarische Staatssekretär im Verkehrsministerium, Jan Mücke (FDP), zur Fahrradtour des Bundestages im Anzug erschien, musste er sich bei seiner Begrüßungsrede kritische Zwischenrufe gefallen lassen. "Anzug tragen ist kein Argument, nicht Rad zu fahren", entgegnete Mücke, allein wegen eines Termins könne er nicht mitfahren. Die rund 140 radbegeisterten Parlamentarier und Mitarbeiter stimmten ihm zu.

Sie alle waren dennoch in etwas sportlicherer Kluft am vergangenen Montag zur parlamentarischen Fahrradtour erschienen, zu der die Abgeordneten Torsten Staffeldt (FDP) und Gero Storjohann (CDU) eingeladen hatten. Beide freuten sich über das größte Teilnehmerfeld der seit 2007 jährlich stattfindenden Tour. "Wir sind heute sehr viele", sagte Staffeldt. "Dies ist ein deutliches Zeichen für das Fahrrad als alternatives Verkehrsmittel."

Mit neongelben Warnwesten für den Hauptstadtverkehr gewappnet, schwangen sich die Teilnehmer auf ihre Drahtesel und radelten los. Zunächst zum Reichstagsgebäude, wo Bundestagsvizepräsident Hermann Otto Solms (FDP) die Tour offiziell eröffnete. "Ich kann aus terminlichen Gründen leider nicht mitfahren. Aber glauben Sie mir, ich bin heute Morgen schon 20 Kilometer geradelt - und das ohne Elektromotor!" Solms Fingerzeig bezog sich auf den neuen Trend: Pedelecs - Fahrräder mit elektronischer Pedalunterstützung. Unter den vom Zweirad-Industrie-Verband zur Verfügung gestellten Leihrädern waren die Elektroräder am schnellsten vergriffen.

"Viel Spaß und auf geht's", sagte Solms und das Feld fuhr los - zunächst in die falsche Richtung. An der Spree kehrt machend, ging es wieder am Reichstag vorbei und hinein in den Hauptstadtverkehr. Zwar hatte sich das Fahrerfeld in drei Gruppen aufgeteilt, es blieb jedoch auch mit 50 Fahrern schwierig, innerhalb einer Ampelphase Kreuzungen zu überqueren. "Wir fahren im Verband", rief eine begleitende Helferin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs und stoppte mit ausgebreiteten Armen den Gegenverkehr. Schließlich erlaube es Paragraf 27 der Straßenverkehrsordnung einer im Verband fahrenden Gruppe von mehr als 15 Radfahrern, rote Ampeln zu überqueren, sofern die Spitze der Gruppe bei Grün losgefahren ist.

Die Fahrt führte durch den Ostteil der Stadt. So hatten es die Fraktionen mit der Senatsverwaltung Berlin ausgetüftelt. Angesichts hochsommerlicher Temperaturen konnten alle Teilnehmer den für eine Erfrischung eingeplanten Zwischenstopp am Velodrom schließlich gut gebrauchen, bevor es weiter ging: durch Parks, über Kopfsteinpflaster, am Spree-Ufer entlang zum Parlamentsviertel zurück. Dabei gelang es dem Feld, die gesamten 23 Kilometer zusammenzubleiben.

Am Ende der Fahrt ließen alle Fahrradfahrer ein wenig erschöpft, aber bei bester Laune den Abend im Biergarten hinter dem Kanzleramt ausklingen. "Das hat schon Spaß gemacht", sagte Lisa Schreier, Praktikantin im Referat Internationale Parlamentarische Versammlungen des Bundestages. "Und manche Ecken Berlins hatte ich zuvor noch nie gesehen!"

Aus Politik und Zeitgeschichte

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