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Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

Tim Weiners Monografie über das FBI ist in mehrfacher Hinsicht eine Meisterleistung: Dem Journalisten der "New York Times" ist es gelungen, mehr als 70.000 Seiten FBI-Archivmaterial auszuwerten. Dabei herausgekommen ist nicht nur ein höchst informatives, sondern auch ein unterhaltsames Buch. Im Einzelnen arbeitete der zweimalige Pulitzer-Preisträger mehr als 200 Zeugenaussagen der Bundespolizei durch, darunter auch das begehrte Geheimdossier des legendären FBI-Direktors J. Edgar Hoover.

Weiner, der für sein kritisches Buch über die CIA im Jahr 2007 mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde, geht mit dem FBI nicht so hart ins Gericht. Zwar habe es die Terroranschläge vom 11. September 2001 auch nicht verhindern können, zumindest habe sie aber die Verhörpraktiken von CIA und Pentagon in Guantanamo als "Kriegsverbrechen" gebrandmarkt. Außerdem habe das FBI die von Präsident George W. Bush angeordneten Abhörmaßnahmen als "illegal" bewertet.

Ein großer Teil des Buches beschäftigt sich mit dem Leben des legendären FBI-Direktors, den Weiner als einen anständigen Kerl und einen amerikanischen Machiavelli bezeichnet. Immerhin habe sich Hoover sein ganzes Leben der Sicherheit seines Landes gewidmet. Schon als 23-Jähriger leitete er während des Ersten Weltkriegs eine Abteilung im Justizministerium.

Hoover, von seinen Gegnern "Kloake" genannt, schuf allerdings einen regelrechten Überwachungsstaat und den mächtigsten Innengeheimdienst der USA, der nur dem Präsidenten unterstellt ist. Das verleitete die Behörde mitunter dazu, außerhalb des Gesetzes zu handeln: Bürgerrechtler wurden genauso bekämpft wie Homosexuelle und Kommunisten. In ihnen sah Hoover die Sicherheit Amerikas am stärksten bedroht. Heute gilt seine Horrorvision von einer kommunistischen Machtübernahme in den USA als paranoid. Weiner weist auch darauf hin, dass US-Präsidenten wie Franklin D. Roosevelt das FBI gezielt gegen ihre politischen Feinde einsetzten.

Tim Weiner:

FBI. Die wahre Geschichte einer legendären Organisation.

S. Fischer Verlag, Frankfurt/M 2012; 695 S., 22,99 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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