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Parlamentarisches Profil

Die Kinderrechtlerin: Diana Golze

Wer seine eigenen Mehrheiten nicht organisieren kann, der darf nicht über die Opposition meckern", bewertet Diana Golze den vereitelten Hammelsprung in der vergangenen Woche. Angesprochen auf das geplante Betreuungsgeld, verzieht die Abgeordnete der Linksfraktion das Gesicht: "Früher habe ich das als Herdprämie bezeichnet. Mittlerweile spreche ich von Kita-Verhinderungsprämie." In eine "Kita", eine Kindertagesstätte, zu gehen, sei sehr wichtig für kleine Menschen. Und deshalb werde sie weiterhin konsequent gegen das Betreuungsgeld stimmen, "wie alle in meiner Fraktion".

Kinder und ihre Rechte sind Diana Golzes Leben. Seit kurzem ist sie Vorsitzende der "KiKo", der Kinderkommission des Bundestages, zum zweiten Mal bereits. Jede Fraktion stellt ein Mitglied, der Vorsitz erfolgt abwechselnd. Die "Kiko" ist ein Unterausschuss des Familienausschusses, in dem Golze auch vertreten ist. Sie selbst ist verheiratet und Mutter zweier Kinder. Der Sohn ist vier Jahre alt, die Tochter sieben. "Beide natürlich Kita-Kinder", betont die diplomierte Sozialpädagogin.

Dort, wo andere Abgeordnete gern in ihren Bundestagsbüros moderne Kunst aufhängen, stehen hinter Golzes Schreibtisch zwei weiße auf Rahmen gespannte Leinwände. Sie sind mit bunten Abdrücken von Kinderhänden übersät. "Das stammt von einer Aktion, bei der gegen Kinderarmut protestiert wurde. Da ist mir das überreicht worden." Irgendeine "Rockröhre" sei dabei gewesen. Der Name Nina Hagen will ihr nicht einfallen. "Ich habe so ein schlechtes Namensgedächtnis", gesteht die Brandenburgerin.

1975 wurde Diana Golze in der Uckermarck geboren, in Schwedt an der Oder, nur ein paar Minuten von der Grenze zu Polen entfernt. Dank der Anbindung an eine Erdölleitung war Schwedt damals in der DDR zum Synonym für Ölindustrie geworden. Zudem lag dort das einzige DDR-Militärgefängnis. Wer in "1330" einsaß, war dort inhaftiert. 1330 war Schwedts DDR-Postleitzahl.

Ihr Abitur machte Golze im benachbarten Angermünde, 80 Kilometer nordöstlich von Berlin. Schon als Schülerin war sie hier direkt nach der Wende in die "Arbeitsgemeinschaft Junge GenossInnen" der PDS eingetreten. "Es lag an den Themen", erinnert sich die Linkspolitikerin. "Anfang der 90er ist die Asylrechtsverschärfung beschlossen worden. Das habe ich als zutiefst undemokratisch erfunden, genauso die Verschärfung des Paragraphen 218. Mein Körper, meine Hoheit - das war meine Position."

1997 trat Diana Golze dann in die PDS ein. Noch im selben Jahr stieg sie in den brandenburgischen Landesvorstand auf und wurde nur zwei Jahre später stellvertretende Landesvorsitzende. Im Jahre 2000 erwarb sie an der TU Berlin ihr Diplom in Sozialpädagogik. Fünf Jahre später zog sie über die Landesliste gewählt als Abgeordnete in den Bundestag ein.

Heute lebt Golze mit ihrer Familie in einem Einfamilienhaus in Rathenow, dem Verwaltungssitz des Landkreises Havelland in Brandenburg. "Bekannt für seine optische Industrie", strahlt Golze und fasst stolz an ihre goldfarben eingefasste, schmetterlingsförmige Brille. Rathenow liegt im Norden ihres Wahlkreises "Brandenburg an der Havel - Potsdam-Mittelmark I - Havelland III - Teltow-Fläming I". Den von Nord nach Süd nach zu durchfahren, kostet selbst ohne Pause mit dem Auto schon zweieinhalb Stunden. Dennoch freut sich Golze bereits, "in der parlamentarischen Sommerpause in meinem Wahlkreis unterwegs zu sein". In den Urlaub wird Familie Golze auch fahren, nach Slowenien. Der Nachwuchs sei schon ganz aufgeregt. Ihre letzte Fernreise führte sie in den 1990ern nach Kuba. "Flugreisen sind immer so eine Sache, mein Mann leidet an extremer Flugangst."

Noch trennt sie eine Sitzungswoche von der Sommerpause des Paralments. In der werde dann lediglich, prognostiziert Golz, die am Freitag ausgefallene erste Plenardebatte zum Betreuungsgeld nachgeholt. Eine Expertenanhörung und die Beschlussfassung zum Gesetz könne es deshalb erst nach der Sommerpause geben.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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