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Susanne Kailitz
Blick nach Skandinavien

BETREUUNG OECD-Studie kaum übertragbar auf Deutschland

Obwohl die Ergebnisse der Studie kurz vor der anberaumten ersten Debatte des Bundestags zum Gesetzentwurf kam: Mit dem deutschen Vorhaben des Betreuungsgelds haben die Ergebnisse der OECD-Experten eigentlich nichts zu tun. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit ließ unter anderem die Auswirkungen des Betreuungsgelds in Norwegen untersuchen. Das Urteil ist eindeutig: Derartige Subventionen könnten sich "auf die Arbeitsmarktbeteiligung von Migrantinnen höchst nachteilig auswirken", heißt es in der Studie "Jobs for Immigrants". Insbesondere sozial schwache Familien tendierten dazu, eher das Geld vom Staat anzunehmen und die Kinder zu Hause zu betreuen - allein in Norwegen hätten 15 Prozent der Migrantinnen nach Einführung des Betreuungsgelds ihren Job aufgegeben, so die Studie. Genau diese Gruppe aber profitiere am meisten von den Bildungsangeboten einer Kita.

Studie der Ebert-Stiftung

Zu ähnlichen Befunden kommt auch eine Analyse der Friedrich-Ebert-Stiftung, die bereits im April veröffentlicht wurde. Darin hat man neben Norwegen auch die skandinavischen Nachbarländer Finnland und Schweden untersucht, die oft als Vorreiter in der Familienpolitik gelten. In allen drei Staaten seien unter den Empfängern der Leistung "Frauen mit geringer Bildung, niedrigem Einkommen und Migrationshintergrund" überrepräsentiert - also jene "mit den schwächsten Aussichten auf dem Arbeitsmarkt".

Darüber, ob und wie sich diese Befunde auf Deutschland übertragen lassen, wird nun einmal mehr heftig gestritten. Tatsächlich unterscheiden sich die Varianten des Betreuungsgelds erheblich: Während in Deutschland ein Betrag von 150 Euro monatlich gezahlt werden soll, bekommen Eltern in Finnland rund 330 Euro, in Schweden etwa 340 Euro und in Norwegen gut 430 Euro. Wahlfreiheit allerdings ist auch dort ein Thema: Seit man in Schweden den Kita-Ausbau massiv vorangetrieben hat, sank dort der Anteil der Betreuungsgeld-Empfänger von 75 auf 25 Prozent.

Weil die OECD aber empfiehlt, das Betreuungsgeld nicht für Kinder über drei Jahre anzubieten, weist die Bundesregierung die Kritik zurück. Die Leistung sei in Deutschland nur für Kinder unter drei Jahren vorgesehen, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert: "Das macht doch einen erheblichen Unterschied."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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