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Sandra Ketterer
Brot gegen Depressionen

Gesundheit im Alter Medizin- und Kosmetikbranche stellen sich auf ältere Kunden ein

Schlank, fit und gesund - das ist das Ziel vieler Menschen. Auch ältere Verbraucher wollen sich zunehmend jung halten. Ein Wunsch, der bei immer mehr Branchen auf offene Ohren stößt. Wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin schon 2007 festgestellt hat, sind die Konsumausgaben Älterer in den Jahren von 1993 bis 2003 um 16 Prozent gestiegen. Verbraucher ab 60 Jahren haben der DIW-Studie zufolge im Jahr 2003 rund 316 Milliarden Euro für den Konsum ausgegeben, ein Drittel der Konsumausgaben insgesamt. Jüngere seien dagegen weniger kaufkräftig gewesen. Durch diese Entwicklung habe sich die Struktur der gekauften Güter und Dienste verschoben. "Stark zugenommen haben die realen Konsumausgaben für Wohnen und Gesundheitspflege", heißt es.

Das Hamburger WeltWirtschaftsInstitut, ein privates Forschungsinstitut, zu dessen Gesellschaftern unter anderem die Universität Hamburg und die Handelskammer Hamburg gehören, kommt in einer kürzlich veröffentlichten Studie zu dem Schluss, dass die Menschen wegen der knapper werdenden staatlichen Mittel verstärkt selbst in ihre Gesundheit investieren und so Innovationen auslösen werden. "Anti-Depressiva-Brot, Käsesorten zur Regulierung des Hormonhaushalts oder Joghurts mit integrierten Kopfschmerzmitteln" seien genauso zu erwarten wie "Mikrochips im Duschvorleger oder eine Direktschaltung zum Hausarzt über den Badezimmerspiegel". Gesundheit und Lifestyle würden zu einem neuen "Healthstyle" verschmelzen. Der Deutsche Wellnessverband in Düsseldorf prognostiziert für seine Unternehmen eine ähnliche Entwicklung. 75 bis 80 Milliarden Euro jährlich geben die Deutschen inzwischen für Wellness aus, sagt der Vorsitzende Lutz Hertel. Er sei sich aber sicher, "dass die Nachfrage nach luxuriösen Verwöhnbehandlungen - Kosmetik, Massage - rückläufig sein werde und dass nachhaltige und fachlich qualifizierte Angebote, die Kunden helfen, gesund sein zu können, stärker nachgefragt werden".

Zuwächse erwartet

Der Bundesverband Medizintechnik rechnet mit deutlichen Zuwächsen in den kommenden Jahren. Zu den Gründen zählt er in seinem aktuellen Branchenbericht die demografische Entwicklung sowie den erweiterten Gesundheitsbegriff. Patienten seien stärker "bereit, für bessere Qualität und zusätzliche Dienstleistungen mehr zu bezahlen". Zu den Trends der nahen Zukunft gehörten Entwicklungen bei vorwiegend altersbedingten Krankheiten wie Schlaganfällen und Parkinson sowie Fortschritte bei der Telemedizin.

Der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel gibt sich zurückhaltend. Die Gesellschaft werde zwar älter und dadurch würden andere Produkte nachgefragt, sagt Birgit Huber, Bereichsleiterin Schönheitspflege. "Es ist aber nicht so, dass wir dadurch mehr Umsatz hätten." Der Umsatz verschiebe sich von Jüngeren zu Älteren. Allerdings fragten inzwischen auch die Jüngeren stärker Produkte nach, die sie vor Falten schützen könnten.

Der VKE-Kosmetikverband, der Hersteller "selektiv vertriebener Duft- beziehungsweise Kosmetikprodukte" vertritt, sieht die Älteren als "wichtige Zielgruppe gerade für das gehobene Kosmetiksegment". Anti-Aging-Produkte machten mit 62 Prozent den "wertmäßig größten Anteil im selektiven Gesichtspflegemarkt" aus. Die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen in Berlin bestätigt eine Zunahme an Schönheitsoperationen. Es werde heute deutlich früher gegen den Alterungsprozess vorgegangen als früher, sagt Sprecherin Kerstin van Ark. "Faltenbehandlungen mit Eigenfett, Hyaluronsäure oder auch Botox" seien beliebt, auch die Straffung der Augenlider.

2004 haben die Mitglieder der Gesellschaft nach eigenen Angaben insgesamt 700.000 chirurgische Eingriffe vorgenommen, ein deutlicher Anstieg gegenüber 380.000 im Jahr 2000. Etwa ein Viertel seien rein ästhetische Eingriffe gewesen, was aber etwa Brustoperationen und Fettabsaugen eingeschlossen habe.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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