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Fünf Fragen zum Demografischen Wandel
FÜNF FRAGEN ZUM: LEBEN IM JAHR 2050

Wie wird sich die Lebenserwartung entwickeln?

Die Lebenserwartung der Deutschen nimmt jedes Jahr um etwa drei Monate zu. Männer hätten demnach 2050 eine Lebenserwartung von 87,5 Jahren, Frauen von 92,5 Jahren. In Großstädten und Ballungszentren wird der Anteil der Älteren dann über 50 Prozent erreichen.

Welche Folgen hat das?

Wer Altersarmut verhindern will, muss fast ein Leben "irgendwie" beschäftigt bleiben. Mit den Älteren werden mehr Gelassenheit und Verlässlichkeit in das Arbeitsleben einziehen. Es wird weniger soziale Kälte in den Betrieben geben. Doch es droht eine strukturelle Altersrezession. Denn mit zunehmendem Alter nimmt die Fähigkeit ab, sich neues Wissen anzueignen. Unternehmen müssen also mit einem Verlust an Innovationsfähigkeit rechnen. Es wird keine Generationskonflikte geben, wohl aber einen Verdrängungswettbewerb, bei dem die Übermacht der Alten am Ende siegt.

Herrscht auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft Vollbeschäftigung?

Auf dem Arbeitsmarkt herrscht dann Vollbeschäftigung, auch wenn die meisten Arbeitnehmer nur noch teilzeitbeschäftigt sind und mit befristeten Arbeitsverträgen über die Runden kommen müssen. Die Zahl der Zeitarbeiter wird sich verdoppeln und über 70-jährige Rentner werden zu Neben- und Gelegenheitsjobbern.

Brechen die Sozialsysteme unter dem Mangel an Einzahlern zusammen?

Wenn die Babyboomer-Generation um 2030 in Rente geht oder das Pflegealter erreicht, droht ein Kollaps der Sozialsysteme. Die nächste Generation erbt die Schulden von heute als Steuern von morgen. Die Schuldenbremse droht zur Rentenfalle zu werden, weil Rücklagen fehlen. Spätestens in 20 Jahren stellt sich die Frage der Grundsicherung. Dann wird es kein BAföG mehr geben und in 50 oder 100 Jahren auch keine Rente. Die Familie wird zur wichtigsten Vorsorge.

Welche positiven Folgen bringt der demografische Wandel?

"Gemeinsam statt einsam", heißt die Lebensdevise der Zukunft. Es wird eine neue Generationensolidarität geben: Die Alten sparen für die Jungen. Vom Vater Staat als Versorger und Verteiler heißt es Abschied nehmen. Die Zukunft gehört einer neuen Mitmach- und Hilfeleistungsgesellschaft, weil die Menschen mehr aufeinander angewiesen sein werden. Vieles wird sich regeln, weil die Menschen es selbst regeln. z

Die Fragen stellte

Martin Lassak.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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