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Verena Renneberg
Peak Oil vs. Peak Menschheit

WELTBEVÖLKERUNG Die Ressourcen werden knapper, die Zahl der Menschen jedoch größer

11. Juli 1987: die Weltbevölkerung durchbricht UN-Berechnungen zufolge die Schallmauer von fünf Milliarden Menschen. Um auf die damit verbundenen Probleme aufmerksam zu machen, ist seit 1989 der 11. Juli der Internationalen Weltbevölkerungstag.

Nicht einmal zehn Jahre später ist für leicht förderbares Erdöl "Peak Oil" erreicht, der Moment, von dem an es mit den Fördermengen nur noch abwärts gehen kann. Die Ressourcen werden weltweit knapp, die Welt wird eng: Waren es 1950 etwa 2,5 Milliarden Menschen weltweit, so wurde im Oktober 2011 bereits die Sieben-Milliarden-Marke überschritten. Und bis 2015 rechnet die UNO mit einem Bevölkerungswachstum von etwa 78 Millionen Menschen pro Jahr - fast die Bevölkerungszahl Deutschlands also jährlich zusätzlich auf einem Planeten, der nicht wachsen kann.

"Globale Probleme unserer Zeit wie Armut, Ernährungskrise und Klimawandel lassen sich nur überwinden, wenn wir das rasante Bevölkerungswachstum in den ärmsten Ländern der Welt verlangsamen", erklärt Renate Bähr, Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung. Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Erdrutsche werden oft durch Rohdung größer Flächen begünstigt, wie etwa bei der Flutkatastrophe in Pakistan 2010 - primär eine Folge der Überbevölkerung.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, gibt es findige Ideen, wie beispielsweise in Malaysia: Bereits in den frühen 1990er Jahren nutzte der südostasiatische Staat seine Währung, um selbst den Analphabeten des Landes Bildung in Sachen Familienplanung zu bieten: Es prägte eine Familie auf die Rückseite einer Münze, die aus einem Vater, einer Mutter und zwei Kindern bestand. "Mehr nicht", lautete die Botschaft. Immerhin wollen nun auch Länder wie Ruanda versuchen, mittels Bildung die Zahl der Geburten zu regulieren.

Es klingt grotesk: Während der gesamte Planet unter der Überbevölkerung ächzt, will Deutschland die Zuwanderung für Fachkräfte attraktiver machen. Paradox: Während hierzulande mit Betreuungsgeld und garantierten Kita-Plätzen das Kinderkriegen attraktiver werden soll, propagieren Vietnam und Indien die Zwei-Kind-Politik. Und das aufstrebende China beharrt gar auf einer rigiden Ein-Kind-Formel. Allerdings macht dem Reich der Mitte nun kein Bevölkerungsrückgang, wohl aber eine Überalterung der Gesellschaft zu schaffen. Fünf Provinzen wirken dieser Entwicklung bereits mit einer Zwei-Kind-Politik entgegen.

Die UNO erwartet, dass bis 2050 die Zahl der Europäer um etwa 15 Millionen zurückgeht. Zehn Millionen entfallen dabei allein auf die Bundesrepublik. Eine Kompensation des Bevölkerungsrückgangs mittels Zuwanderung statt durch Geburten kann sich hinsichtlich der weltweiten Bevölkerungsentwicklung als sinnvoll erweisen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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