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Nicole Alexander
Nintendo im Altersheim

MEDIEN FÜR SENIOREN Der Markt für spezielle Angebote an die Generation 60plus wächst

Spielkonsolen sind nichts für Ältere? Weit gefehlt. Immer mehr Hochbetagte schwingen mit Begeisterung den Controller, in manchen Seniorenheimen gehören virtuelle Bowling-Meisterschaften mittlerweile zum Standardprogramm. Gerontologen beobachten diesen Trend mit Interesse. Dabei haben sie nicht nur den Spaßfaktor für ihre Klientel im Blick; sie wollen vor allem herausfinden, inwiefern sich bewegungsgesteuerte Computerspiele - etwa die Spielkonsole Wii des japanischen Herstellers Nintendo - zu therapeutischen Zwecken wie das Training von Beweglichkeit, Ausdauer und Gleichgewichtsgefühl eignen.

Facebook und Co

Die oftmals unterschätzte Aufgeschlossenheit der älteren Generation gegenüber den neuen Medien zeigt sich auch an der rasant wachsenden Zahl der "Silver Surfer" im Internet und in den sozialen Netzwerken. Einer Umfrage des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) von Anfang 2012 zufolge sind heute 40 Prozent der Internetnutzer zwischen 65 und 69 Jahren in einer Online-Community angemeldet. Vor zwei Jahren waren es erst 17 Prozent. Dabei sind Facebook und Stayfriends in der Generation 50plus die mit Abstand beliebtesten Netzwerke.

Wichtigstes Medium für ältere Menschen ist aber nach wie vor das Fernsehen. Laut dem im Auftrag der Bundesregierung von einer Sachverständigenkommission verfassten Sechsten Altenbericht (2010) sehen die Deutschen ab 60 Jahren im Durchschnitt täglich über viereinhalb Stunden fern. Umso erstaunlicher, dass es bislang keinen eigenen TV-Sender für diese stetig wachsende Zielgruppe gibt, wie es etwa in den USA mit Spartenkanälen wie "Lifetime" schon längst der Fall ist.

Die Gründe dafür versuchte das Adolf-Grimme-Institut 2007 in einer breit angelegten Studie herauszufinden. Es befragte unter anderem führende Vertreter von Fernsehsendern und Produktionsfirmen. Diese waren fast übereinstimmend der Meinung, dass das ältere Publikum gar kein Interesse an speziell auf sie zugeschnittenen TV-Angeboten habe, weil es sich ja gerade nicht alt fühlen wolle. Inzwischen denken die Programmverantwortlichen offenbar um: So erklärte vor einigen Wochen der Vorstandschef der ProSiebenSat.1 Media AG, Thomas Ebeling, dass das Unternehmen an der Entwicklung eines neuen, frei empfangbaren Spartenkanals für Ältere arbeite, der noch in diesem Jahr an den Start gehen soll.

Im Unterschied zu den TV-Sendern haben die Printmedien längst erkannt, dass ältere Menschen eine eigene Zielgruppe mit spezifischen Bedürfnissen darstellen. Weit über 100 Zeitschriften in Deutschland wenden sich speziell an Senioren; viele davon erscheinen regional und sind kostenlos. Welch ungeheures Marktpotenzial hier schlummert, entdecken zunehmend auch die großen Zeitungsverlage. Sie interessiert die wachsende Zahl der "Best Ager", die sich nicht nur guter Gesundheit, sondern auch eines prallen Geldbeutels erfreuen. Ob sich aber genügend Ältere von einem Magazin wie "Viva!" (Gruner und Jahr) angesprochen fühlen, das in seiner gerade erschienenen ersten Ausgabe den Ruhestand als "spannende Lebensphase" voller ungeahnter Möglichkeiten preist, wird sich noch zeigen müssen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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