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Johanna Metz
Surfen und schmökern

ALLENSBACH-STUDIE Immer mehr Ältere nutzen das Internet

Der Witz geistert durch das Web 2.0: Warum verschwinden Senioren ständig spurlos im Internet? Weil Sie "ALT" und "ENTFERNEN" gleichzeitig drücken... So so, die Rentner: Wenn sie überhaupt einen Computer haben, sitzen sie hilflos davor und müssen ihre Enkel fragen, wenn sie eine E-Mail verschicken wollen. Viel lieber sehen sie fern oder lesen ihre gute alte Zeitung.

Soweit das Klischee. Doch das trifft nur noch bedingt zu, wie eine aktuelle Studie zum Mediennutzungsverhalten älterer Menschen des Instituts für Demoskopie Allensbach zeigt. Danach sind Fernsehen und Zeitung zwar noch immer die Lieblingsmedien der Älteren. Doch eine wachsende Zahl von ihnen interessiert sich inzwischen auch für das Internet und informiert sich online und papierfrei über das Weltgeschehen.

Ältere holen auf

86,1 Prozent der 14- bis 29-Jährigen suchen Informationen heute im Netz. Doch auch in der Generation 60plus macht das schon jeder Vierte (25 Prozent). In der Altersgruppe der 60- bis 75-Jährigen sind es sogar 32,1 Prozent. 17,3 Prozent der Älteren nutzen das Internet täglich, vor allem um E-Mails zu schreiben oder um zu recherchieren. 22,4 Prozent haben einen PC zu Hause (14-29: 55,5 Prozent), 15,6 Prozent ein Notebook (66,7 Prozent). Seltener nutzen Menschen ab 60 Handys oder Smartphones: nämlich nur 1,5 Prozent (14-29: 34 Prozent).

Printauflagen sinken

Fakt ist aber auch, dass die Auflagen der Printmedien seit Jahren sinken, während die Leserzahlen online kontinuierlich steigen. Das liegt daran, dass die Jüngeren immer weniger mit bedrucktem Papier anfangen können. Zwar bejahten 39,6 Prozent der 14- bis 29-Jährigen die Aussage "Ich lese Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, sobald ich etwas Zeit habe". Demgegenüber stehen aber 54,5 Prozent der über 60-Jährigen. 61,1 Prozent der Älteren lesen Berichte in Zeitungen, aber nur 28,2 Prozent der Jungen. Lediglich 10 Prozent der Menschen ab 60 zählt die Allensbacher Studie zu den "weitgehend Print-Abstinenten", dafür aber 28,1 Prozent der 14- bis 29-Jährigen. 59,5 Prozent der Älteren gelten demgegenüber als "Umfassend Printaffine" - aber nur 23,7 Prozent der Jungen. Trotzdem: Noch immer lesen 48 Millionen Deutsche Tag für Tag eine gedruckte Zeitung; die Reichweite der Tageszeitungen liegt damit bei 68,4 Prozent. Mehr als jeder vierte Deutsche, egal welchen Alters, schaut an einem normalen Werktag aber auch mindestens drei Stunden fern. Und das ist diesmal - leider - kein Witz.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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