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Hans Krump
Preuße aus dem Ländle: Ernst-Reinhard Beck

Ich bin ein Preuße mit schwäbischem Dialekt", sagt Ernst-Reinhard Beck und lacht dabei. Sofort hält der CDU-Bundestagsabgeordnete einen Vortrag über die komplexe Geschichte seines Geburtsorts Frohnstetten in den Hohenzollernschen Landen am alten Dreiländereck zu Baden und Württtemberg. Hier kommt bei Beck, Jahrgang 1945 und damit im bis 1947 existierenden Preußen geboren, ganz der Lehrer zum Vorschein, der er fast 30 Jahre lang im ersten Leben vor der Politik war.

Seit 2002 vertritt Beck als direkt gewählter Abgeordneter den Wahlkreis Reutlingen im Bundestag, Ende 2009 wurde er verteidigungspolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Dennoch ist die politische und historische Bildung dem Studienrat für Politik, Geschichte und Deutsch bis heute Herzenssache. In seiner Lehrerzeit in Baden-Württemberg war Beck intensiv an der Arbeit der Landeszentrale für politische Bildung beteiligt. So gründete er deren renommierte Zeitschrift "Politik und Unterricht" mit. Folgerichtig kam Ernst-Reinhard Beck 2002 mit dem Bundestagseinzug ins Kuratorium der Bundeszentrale für politische Bildung. Seit 2006 führt er dieses Aufsichtsgremium von 22 Bundestagsabgeordneten.

Was sagt Beck zur Zeitung "Das Parlament", die über die Beilage "Aus Politik und Zeitgeschichte" mit der Bonner Einrichtung verbunden ist? "Diese Zeitung ist für mich Wegbegleiter, seit ich mich für Politik interessiere. Will der Bürger über deutsche Politik auf dem Laufenden bleiben, braucht er ,Das Parlament´." Besonders gefallen Beck die Themenausgaben. Er begrüßt, dass "Das Parlament" nicht mehr der Bundeszentrale unter der Führung des Innenministeriums untersteht. Beck: "Die Zeitung ist beim Bundestag genau richtig angesiedelt."

Mit der Bundeszentrale befasst sich der vielbeschäftigte Berufspolitiker Beck jede Woche, "meist geht es um Lob oder Tadel". Vier bis fünf Mal trifft sich das Kuratorium im Jahr zu Sitzungen. Gegen manche Kritik seiner Parteifreunde steht Kuratoriumschef Beck hinter dem Präsidenten der Bundeszentrale, Thomas Krüger. Dem früheren SPD-Bundestagsabgeordneten und Berliner Senator wird in Unionskreisen zu starke gesellschaftspolitische Nähe zu Rot-Grün nachgesagt. Beck, der sich selbst als Konservativer bezeichnet und "linke Dominanz" in der politischen Bildung beklagt, entgegnet: "Ich diskutiere mit Thomas Krüger immer ganz offen über Differenzen. Insgesamt habe ich aber stets gut mit ihm zusammengearbeitet." Dem Mitgründer der DDR-Sozialdemokraten attestiert Beck "große Verdienste" um die politische Bildung in Deutschland. Mit Krüger kämpft Beck seit Jahren - weitgehend erfolglos - gegen die starken Mittelkürzungen bei der Bundeszentrale.

In der Hauptsache aber ist Ernst-Reinhard Beck das verteidigungspolitische Gesicht der Union. Der Oberst der Reserve, der nach seiner Wehrdienstzeit bei den Gebirgsjägern rund 500 Wehrübungstage absolviert hat, ist hier in seinem Element. Der Ehrenpräsident des Verbandes der Reservisten macht keinen Hehl daraus, dass er mit der De-facto-Abschaffung der Wehrpflicht durch einen CSU-Minister bis heute hadert. "Wir haben mit der Wehrpflicht ein Markenzeichen dieser Armee aufgegeben." Beck ist skeptisch, ob die Bundeswehr mittelfristig ausreichend Personal aus allen Schichten des Volkes gewinnen kann. "Die Gesellschaft braucht auch das Einfordern von Pflichten", sagt der Preuße Beck. In solchen Fragen ist er kein Politiker, der sich aus Karrieregründen verbiegt. Sein lautstarkes Telefonat mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg über die verkündete Aussetzung der Wehrpflicht im Herbst 2010 ist Legende im politischen Berlin.

Beck ist in konservativer ländlicher Gegend in der Schwäbischen Alb aufgewachsen und von einer CDU-nahen Familie geprägt. 1963 trat er in die Junge Union und 1968 in die CDU ein. Er tut sich schwer mit den Modernisierern der heutigen CDU unter Angela Merkel. Auch in der Familienpolitik sieht er in der Partei falsche Akzentsetzungen. 2013 will er nicht mehr für den Bundestag kandidieren. Beck sieht ein reichhaltiges berufliches und politisches Leben erfüllt. An seinem Wohnort Reutlingen ist über den langjährigen Direktor des renommierten Friedrich-List-Gymnasiums nur Gutes ("fleißig, korrekt") zu hören. Beck freut sich, bald wieder mehr in der Schwäbischen Alb wandern zu können.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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