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Julian Burgert
Fester Teil des Blattes

LESERBRIEFE Der Leser kommt zu Wort - und das seit sechs Jahrzehnten

Zu jeder guten Zeitung gehören die Leserbriefe. Sie bieten den Lesern die Möglichkeit, der Redaktion Anregungen zu geben, Fehler anzukreiden und die eigene Meinung kundzutun. Kamen diese Schreiben früher noch per Post in Handschrift, so sind es heutzutage hauptsächlich im Computer geschriebene E-Mails, die die Redaktion erreichen. Auch "Das Parlament" hat im Laufe seiner Existenz zahlreiche Leserbriefe erhalten und abgedruckt.

Schon in der ersten Ausgabe des Blattes am 19. September 1951 findet sich das Schreiben eines Lesers, der das Erscheinen der Zeitung freudig begrüßt und kommentiert: "Zunächst lassen Sie mich bitte meiner Freude darüber Ausdruck geben, dass endlich auf dem deutschen Zeitungsmarkt eine Wochenzeitung erscheint, die den politisch interessierten Lesern ... Gelegenheit gibt, den Ablauf der Parlamentsdebatten gleichsam von der Parlamentstribüne aus zu verfolgen und sich dadurch über die parlamentarische Arbeit des Bundestages ein treffenderes Bild zu machen."

Seit dieser Ausgabe sind Leserbriefe ein regulärer Bestandteil von "Das Parlament". Wie bei der Zeitung insgesamt, so gab es in den vergangenen 60 Jahren natürlich auch bei der Rubrik Leserbriefe zahlreiche Änderungen: Wurden die Leserbriefe anfangs noch mit "Und dies meint der Leser" eingeführt, hieß es in den folgenden Jahren abwechselnd "Leser schreiben dem Parlament" oder "Das Leser-Parlament". Ab Mitte der 1950er Jahre galt dann: "Der Leser hat das Wort:" In den 1980er und 1990er Jahren wurde die Rubrik mit einem knappen "Echo" betitelt, heute hingegen ganz direkt mit "Leserpost".

Wenn auch der Name oft wechselte, so blieb doch die Position im Blatt relativ konstant. Verständlicherweise wurden nicht in allen Ausgaben Leserbriefe abgedruckt, doch wenn, dann geschah dies konstant im hinteren Teil beziehungsweise auf der letzten Seite. Das war schon in der ersten Ausgabe so und überdauerte jede Konzeptionsänderung und jeden Relaunch.

Um den Zustrom an Lesersendungen zu erhöhen, wurde unter den Einsendern Reisen zum deutschen Bundestag und sogar zu ausländischen Parlamenten verlost. Das ist heute schon eine Reise wert, in den fünfziger Jahren war es sicherlich noch erstrebenswerter, wie das folgendes Zitat zeigt: "Sie werden sich nicht wundern, wenn ich meine Feder besonders scharf spitze, um bei diesem Wettbewerb in aussichtsreiche Konkurrenz treten zu können." Gleichzeitig zeigt dieser Leserbrief beispielhaft, dass sich nicht nur die Form der Briefe, sondern auch ihre Formulierungen im Laufe der Zeit gewandelt haben: Solche Ausdrucksweisen und Redewendungen erscheinen heute ungewohnt und fremd.

Im Laufe der letzten sechs Jahrzehnte haben die Leser regen Anteil an der Berichterstattung und Entwicklung dieses Blattes genommen. Sie werden dies hoffentlich auch in Zukunft tun.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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