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N.N.
Im Abstieg

Düstere Warnungen prominenter Zeitgenossen schüren Zweifel am Weltmacht-Status der USA. Dazu gehört die Prognose des Chefs beim weltgrößten Anleihefonds Pimco, dem Land drohe ein Schicksal wie Griechenland, falls die Schuldenuhr nicht angehalten werde. Dass dies gelingen wird, wird selbst in Washington bezweifelt.

Die Ratingagentur Moody´s droht den USA mit einer Abstufung ihrer Kreditwürdigkeit. Goldman Sachs-Chef Lloyd Blankfein fürchtet um den Status des Dollars als Leitwährung. Das Vertrauen in Wirtschaft und Politik in der größten Volkswirtschaft ist so angeknackst, dass laut dem Meinungsforschungsinstitut Gallup 52 Prozent der Amerikaner bereits China als größte Wirtschaftsmacht sehen.

Hier beginnt ein Niedergang, eine langsame Erosion der Supermacht. Die USA sind auf dem Weg von einem Industrie-Koloss mit unerbittlicher Innovationskraft und kaum zu erschütterndem Erneuerungsglauben in eine abgebrannte post-industrielle Gesellschaft. Die Ära der Dominanz geht zu Ende. Im Nahen Osten schwindet der Einfluss, ebenso im pazifischen Raum, wo China in dieser Woche mit seinem ersten Flugzeugträger den neuen regionalen Führungsanspruch untermauert hat.

Es sind die vielen Wirtschaftsindikatoren, die zu denken geben. Der Anteil der US-Erfinder an den weltweiten Patenten geht zurück. In der Weltrangliste der wettbewerbsstärksten Industrienationen des Weltwirtschaftsforums fallen die USA seit vier Jahren zurück, 2012 vom 5. auf den 7. Rang. Der Anteil an der weltweiten Börsenkapitalisierung sinkt. Selbst der Dollar bekommt Risse. China hat als größter ausländischer Gläubiger den Bestand amerikanischer Schuldtitel binnen zwölf Monaten um 12,6 Prozent zurückgefahren.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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