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USA - NOCH IMMER WELTMACHT NR.1?
Hans Monath
Globaler Anspruch

Viele Europäer bezweifeln, ob die USA weiter ihre Weltordnungsrolle ausüben können. Nach zwei unpopulären Kriegen - im Irak und in Afghanistan - fehlt die Bereitschaft zu neuen Interventionen. Die industrielle Basis bröckelt, das Land ist hoch verschuldet. Sogar das politische System scheint gelähmt - unabhängig vom Ausgang der Präsidentenwahl am 6. November.

Was der europäische Beobachter gern übersieht, ist der Anspruch der USA, nach der Ausrufung des pazifischen Zeitalters in Asien Präsenz zu zeigen -auch militärische Präsenz. Vor zwei Jahren flossen 45 Prozent aller weltweiten Militärausgaben in die US-Streitkräfte. Sie sind interventionsfähig an jedem Ort der Welt.

Dazu kommen zwei Besonderheiten: Da ist zum einen die Kraft der offenen Gesellschaft, Fehler zu korrigieren. Zum zweiten sind Phasen des Isolationismus in der Geschichte der Vereinigten Staaten immer abgelöst worden durch neue Ausgriffe auf die Welt.

Das Bewusstsein, einer auserwählten Nation anzugehören, und der globale Anspruch der demokratischen Überzeugung liefern die Begründung für die Einmischung im Ausland. Solange diese Grundmuster wirken, werden die Vereingten Staaten von Amerika daran arbeiten, die Weltmacht Nummer eins zu bleiben.

Auf alte Weise allerdings geht das nicht. In einer multipolaren Welt mit aufstrebenden Schwellenmächten wie China, Brasilien und Indien kann Washington nicht mehr alleine dominieren, sondern es muss neue Allianzen eingehen und seinen Einfluss teilen. Nur so lässt sich auch mittelfristig eine Macht sichern, an der kein Konkurrent vorbei kommt.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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