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Hans-Jürgen Leersch
Wie alles begann

Banken I Die Bankenkrise fing in Deutschland klein an

Anders als in den USA dachte in der Bundesrepublik Deutschland niemand daran, eine Bank pleite gehen zu lassen. Vielleicht lag es daran, dass der erste Fall nicht gleich einen ganz großen Akteur erwischte, sondern die quasi halbstaatliche Deutsche Industriebank (IKB), mit deren Beinahe-Zusammenbruch 2007 die Finanzkrise Einzug in Deutschland hielt. Die Düsseldorfer IKB galt bis zum Ausbruch der Krise als grundsolider Mittelstandsfinanzierer, an der die staatliche KfW-Bankengruppe mit knapp 40 Prozent beteiligt war. Beide Häuser arbeiteten bei der Vermittlung öffentlich geförderter Darlehen an Unternehmen zusammen.

Dem IKB-Vorstand reichte dies nicht. Parallel zu den eigentlichen Bank-Geschäften wurde das Geschäftsmodell um Geschäfte mit amerikanischen Immobilien-Krediten und daraus geschnürten Wertpapieren erweitert. Mitte 2007 geriet die Bank in eine gefährliche Schieflage. Miteigentümer KfW und auch der Aufsichtsrat, in dem unter anderem als Vertreter der Bundesregierung der spätere Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen saß (heute im Direktorium der Europäischen Zentralbank), hatten nichts bemerkt.

Das Statistische Bundesamt bezifferte die Kosten der IKB-Rettung auf 9,6 Milliarden Euro. Das traditionsreiche Institut gehörte nach einer Kapitalerhöhung im Jahr 2008 faktisch komplett dem Staat. Quasi über Nacht wurde die Bank an den US-Investor Lone Star verkauft, Presseberichten zufolge für nicht einmal 150 Millionen Euro.

Die Krise wird größer

Leider blieb die IKB kein Einzelfall. Obwohl die "Hypo Real Estate" (HRE) noch im Herbst 2007 erklärte hatte, gut aus der Krise herausgekommen zu sein, drohte der im Immobiliengeschäft tätigen Bank 2008 der Konkurs. Anders als die IKB hatte die HRE systemische Bedeutung, da sie in der Staatsfinanzierung und im Pfandbriefgeschäft tätig war. Nach hektischen Rettungsmaßnahmen des damaligen Finanzministers Peer Steinbrück (SPD) erfolgte 2009 die Verstaatlichung der Bank. Auch mehrere Landesbanken bekamen massive Probleme. Die Westdeutsche Landesbank (WestLB) wurde aufgelöst.

Insgesamt entstanden dem deutschen Staat durch Bankenrettungsmaßnahmen laut Statistischem Bundesamt bis zu 51,8 Milliarden Euro Kosten, 480 Milliarden Euro Bürgschaften wurden übernommen

Steinbrück, inzwischen Kanzlerkandidat der SPD, sieht die Bankenrettung heute viel kritischer. "Wenn eine Bank vor der Pleite steht, sollte nicht gleich mit Staatsknete geholfen werden. Zuerst sind Gläubiger und Aktionäre dran."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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