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Jörg Biallas
Die Macht des Geldes

VON JÖRG BIALLAS

Während in Deutschland der Bundestagswahlkampf allmählich beginnt, neigt sich das Werben um die nächste Präsidentschaft in den USA dem Ende. Am 6. November entscheiden die Amerikaner, ob der Demokrat Barack Obama im Amt bleibt oder von seinem Herausforderer Mitt Romney abgelöst wird.

Dann hat das Land einen Wahlkampf erlebt, in dem wieder einmal Abermillionen Dollar für sündhaft teure Kampagnen und gigantische Shows zur Präsentation der Kandidaten ausgegeben worden sind. Dieses Geld stammt vor allem von Gönnern, die sich von der Politik ihres Favoriten oftmals ganz handfeste finanzielle Vorteile versprechen.

Überhaupt regiert in den USA das Geld: Nicht nur der Republikaner Romney ist Millionär, sonder auch etwa die Hälfte der Abgeordneten des Kongresses. Was hierzulande unvorstellbar wäre und ganz grundsätzliche Fragen des Demokratieverständnisses aufwerfen würde, gilt in den Vereinigten Staaten keineswegs als anrüchig.

Unter Geldmangel leiden beide konkurrierende Lager nicht. Wer in vier Wochen das Rennen machen wird, entscheiden also andere Faktoren. Obama muss damit umgehen, dass ihm die trübe Konjunkturlage mit einer hohen Arbeitslosen- und steigenden Armutsrate angelastet wird. Vor diesem Hintergrund verblassen seine wirtschafts- und sozialpolitischen Erfolge wie die Rettung der bankrotten Automobilriesen General Motors und Chrysler oder die Einführung einer Pflicht zur Krankenversicherung.

Romney hingegen ist im Wahlkampf vor allem durch verbale Fehltritte aufgefallen. Was seine Freunde als selbstbewusst bezeichnen, halten seine Gegner für großspurig, ja arrogant. Dennoch gilt Romney in bürgerlich-konservativen Kreisen als Alternative zu Obama, der bei seinem Amtsantritt 2009 vieles angekündigt, aber längst nicht alles davon erreicht hat. Gewiss auch, weil seine Demokraten vor fast zwei Jahren die Mehrheit im Repräsentantenhaus eingebüßt hatten. Fortan konnten die Republikaner Obamas Politik blockieren.

Wer immer die Wahl gewinnt: Der traditionell feste Bund zwischen Europa und den USA wird dadurch nicht beeinträchtigt. Denn in Zeiten sich verschiebender wirtschaftlicher und damit militärischer Machtpotenziale ist eine starke transatlantische Achse als westliches Regulativ unabdingbar.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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