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Annette Sach
Freiheit des Geistes

EUROPAPARLAMENT Sacharow-Preis 2012 geht an zwei Iraner

Zwei Iraner, die inhaftierte Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh und der Filmemacher Dschafar Panahi, werden in diesem Jahr für ihr politisches Engagement mit dem Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments geehrt. Das beschloss am vergangenen Freitag die Konferenz der Präsidenten des Europaparlaments. Ihr gehören neben Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) auch alle Fraktionschefs an. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis für die "Freiheit des Geistes" soll am 12. Dezember in Straßburg verliehen werden. Er wird an Menschen und Organisationen vergeben, die sich mit Mut und Engagement für die Menschenrechte und die Meinungsfreiheit einsetzen.

Ehrung für Regimekritiker

Weitere Kandidaten für den Preis waren die Kreml-kritische Punkband Pussy Riot und der aus Weissrussland stammende Menschenrechtsaktivist Ales Bialiazki. Der Preis wird seit 1988 vergeben und erinnert an den russischen Atomphysiker und Bürgerrechtler Andrej Sacharow, der 1989 verstarb.

Der Preis geht erstmals in den Iran. Die Menschenrechtsaktivistin Sotudeh hat als Anwältin Frauen, Jugendliche und politische Gefangene verteidigt, darunter auch die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi. Die 49-Jährige wurde zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt und soll sich derzeit im Hungerstreik befinden.

Internationaler Künstler

Regisseur Dschafar Panahi prangert in seinen Filmen die politische Unterdrückung und die Lage der Frauen im Iran an. Bei den Präsidentschaftswahlen 2009 unterstützte er die Oppositionsbewegung gegen Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad. Seine Filme sind im Iran verboten. Der 52-Jährige erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Goldene Palme in Cannes und 2006 auf der Berlinale den Silbernen Bären. Auch Panahi wurde zu einer Haftstrafe wegen angeblicher "Propaganda" verurteilt, befindet sich derzeit aber auf freiem Fuß und darf den Iran nicht verlassen.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löhning (FDP) sagte, die beiden Dissidenten zahlten für ihren Einsatz einen hohen Preis. Im Vorfeld der Entscheidung hatte der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, die Bedeutung des Preises gewürdigt. Es hätte sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass er die Preisträger ein Stück weit vor Verfolgung schütze, erklärte Schulz im ARD-Fernsehen: "Die internationale Aufmerksamkeit, die damit verbunden ist, hilft den Menschen und drängt die repressiven Regime ein Stück zurück - die werden dann vorsichtiger", sagt der Präsident des Europaparlaments.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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