Inhalt

Verena Renneberg
Bayerischer Macher: Max Straubinger

Ich kann die Kritik nicht verstehen." Max Straubinger zieht die Augenbrauchen hoch. Sein Dialekt offenbart sofort die bayerische Herkunft. Für die CDU/CSU-Fraktion sitzt er seit 1994 im Bundestag, wo Straubinger stellvertretender Vorsitzender im Ausschuss für Arbeit und Soziales ist. Und der beschäftigte sich in den vergangenen Wochen intensiv mit einer Gesetzesinitiative der Koalitionsfraktionen zur Zukunft der Minijobber. "Wir wollen die Arbeitnehmer besser absichern", erklärt Straubinger. "Dass die Linksfraktion sagt, das sei prekäre Arbeit, ist falsch." Nur unglücklich sei er, dass die neue Rentenversicherungspflicht den Minijobbern die Möglichkeit lasse, diese abzulehnen. Ohne Rentenversicherung schließlich keine Riesterrente. Deshalb müsse "Aufklärungsarbeit geleistet werden", warb der CSU-Politiker am vergangenen Donnerstag vor der Verabschiedung des Gesetzes um Zustimmung im Bundestagsplenum.

Mit Versicherungen kennt sich der 58-jährige aus Niederbayern aus. Zwar ist er "erlernter Landwirtschaftsmeister", aber seit 1978 in der Versicherungswirtschaft tätig. Fast genauso lange betreibt er eine Generalagentur eines großen deutschen Versicherers. "Das ist mein Haupterwerb", sagt er stolz. Für die öffentliche Diskussion um die Nebentätigkeiten der Parlamentarier hat Max Straubinger nur wenig Verständnis. "Ich fühle mich fast stigmatisiert", erklärt er, denn das Bundestagsmandat sei eine Tätigkeit auf Zeit. "Wenn man seine Selbständigkeit trotzdem aufgibt, ist es nicht leicht, nach acht oder zwölf Jahren Abgeordnetentätigkeit wieder in den alten Beruf einzusteigen." Die wirtschaftliche Unabhängigkeit ist ihm wichtig. Auch falls einmal ein "schlimmer Krankheitsfall in der Familie auftritt" So denkt der Mann, der auch Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestags ist.

Bereits 1970 war Max Straubinger Gründungsmitglied des Ortsverbandes der Jungen Union in Simbach am Inn. Seinen Wehrdient leistete er in München ab. Das sollte seine einzige Station außerhalb des Bayerischen Waldes bleiben. Bis er schließlich 24 Jahre später in den Bundestag einzog, als direktgewählter Volksvertreter des Wahlkreises Rottal-Inn/Dingolfing-Landau. 2013 will er wieder für das Hohe Haus kandidieren: "Am 15. November ist Aufstellungsversammlung bei mir im Wahlkreis und da gehe ich auch ganz optimistisch rein." In seinem Wahlkreis ist er geboren, aufgewachsen und noch immer zu Hause. Mit seiner Frau und den drei fast erwachsenen Kindern lebt der Politiker im beschaulichen Haunersdorf. Es zählt etwa 500 Einwohner.

Max Straubingers Geburtstag fällt in die Zeit der Getreideernte, auf den 12. August. Unbedingt wollte er in diesem Jahr bei der Weizenernte seines Bruders helfen. Der ist Vollerwerbslandwirt. Auch unterhält der Parlamentarier eine kleine Landwirtschaft, aber ohne Tierhaltung. Die Arbeiten erledigt sein Bruder für ihn mit. Er selbst komme nie zum Schlepperfahren, "würde ich aber gern", sagt Max Straubinger mit leuchtenden Augen. Auch in diesem Sommer klappte es wieder nicht, denn "das Wetter schlug Kapriolen". Und dann stand schon der Urlaub an: Die Kinder konnte er nur von einer gemeinsamen Reise überzeugen, wenn es in die USA ginge. Und es ging. Knapp drei Wochen Ostküste, von Washington bis hoch ins kanadische Toronto.

Ins Schwärmen kommt der Mann mit Schnäuzer, wenn er über die wirtschaftliche Lage in einem Wahlkreis spricht: die Arbeitslosenquote liege bei nur etwa drei Prozent. Der Mittelstand sei stark vertreten und schließlich stehe das größte BMW-Werk überhaupt ja in Dingolfing. So gut sah es nicht immer aus, früher verlief der Eiserne Vorhang zu Tschechien nur etwa 80 Kilometer von Straubingers Zuhause. Immerhin gab es deshalb Förderprogramme. Jetzt liege seine Heimat im Herzen Europas und die Wirtschaft profitiere von der Nähe zu Österreich, zu Linz und Salzburg.

Für seine politischen Verdienste hat Straubinger 2011 den Bayerischen Verdienstorden erhalten. Und 2009 bereits das Bundesverdienstkreuz am Bande, das ihm Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) verliehen hat. Aber nur ein Orden ist in seinem Abgeordnetenbüro prominent platziert: "Das besondere Nebenverdienstkreuz", das ihm seine Berliner Scharfkopfrunde verliehen hat: "Der Orden von den Kameraden ist eben ein ganz besonderer", sagt er und strahlt.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag