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Alexander Weinlein
Kurz notiert

Die Morde der Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" haben die deutsche Öffentlichkeit und Politik aufgeschreckt. Dabei hat die Gewalt von Rechtsextremisten in Deutschland eine viel längere und blutigere Geschichte als viele glauben mögen. Der Journalist Olaf Sundermeyer, der seit vielen Jahren in der rechtsextremistischen Szene recherchiert, hat diese Geschichte in seinem empfehlenswerten Buch über den "Rechten Terror in Deutschland" nacherzählt und analysiert.

Sundermeyer stellt dar, wie die Aufmerksamkeit von Gesellschaft und Politik in den 1970er und 80er Jahren gänzlich durch den linksextremistischen Terror der RAF absorbiert wurde. So seien selbst Gruppierungen wie die "Wehrsportgruppe Hoffmann" lange nur als ungefährliche Spinner abgetan worden. Selbst der rechtsextremistisch motivierte Bombenanschlag auf das Münchner Oktoberfest im Jahr 1980, bei dem einschließlich des mutmaßlichen Attentäters 13 Menschen starben, änderte nichts an diesem Umstand. Sundermeyer führt dies unter anderem auf die fehlende Lobby der Opfer zurück. Während die RAF-Terroristen vor allem prominente Vertreter der öffentlichen Lebens wie den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer ermordeten, finden die Namen der Opfer des rechtsextremistischen Terrors - meist Menschen mit Migrationshintergrund - nicht den Weg in das kollektive Gedächnis.

Sundermeyer wiederspricht allerdings der These, dass der Staat vorsätzlich "blind auf dem rechten Auge" sei, wie mitunter behauptet wird. Aber bei den Sicherheits- und Ermittlungsbehörden sei eine erschreckende Unkenntnis über die rechtsextremistische Szene zu verzeichnen. Das Ansteigen rechtsextremistischer Gewalt in den letzten Jahren erklärt Sundermeyer unter anderem mit dem Scheitern der NPD, den demokratischen Parlamentarismus über die Parlamente selbst auszuhebeln. Dies führe bei vielen Sympathisanten zu einer weiteren Fanatisierung, die ihre Ziele nun gewaltsam durchsetzen wollen.

Olaf Sundermeyer:

Rechter Terror in Deutschland.

Eine Geschichte der Gewalt.

Verlag C.H. Beck, München 2012; 271 S., 16,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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