Inhalt

Annette Sach
Wir müssen mehr Länder mit ins Boot nehmen

KLIMAWANDEL Experten aus Libanon, Ghana und Bangladesh erwarten in Doha mehr Engagement der Industriestaaten

Hafijul Islam Khan weiß aus eigener Erfahrung, was Stürme bedeuten. Sein Land Bangladesh wurde schon mehrfach von schweren Wetterkatastrophen heimgesucht. Ein Sturm wie Sandy, sagt der Generalsekretär vom Centre for Climate Justice, treffe die Menschen in den USA aber dennoch weniger hart als die Bewohner seines Landes, da es dort wenigstens die nötige Infrastruktur gebe, um die Schäden wieder zu beseitigen. "Die Menschen verlieren ihr Lebenswerk", sagte er. Die ärmsten Länder der Erde (LDC) bräuchten vor allem Hilfen bei der Anpassung an den Klimawandel, fordert der Klimaexperte. Islam Khan ist einer von drei Klimazeugen, die vergangene Woche im Bundestag mit den Abgeordneten des Umweltausschusses über ihre Erwartungen an die bevorstehende Klimakonferenz COP 18 sprachen.

Schwierige Verhandlungen

Dort werden sich vom 26. November bis 7. Dezember in Doha (Katar) Vertreter aus 194 Staaten treffen, um in schwierigen Verhandlungen die Details für die Verlängerung des Kioto-Protokolls zu besprechen. Nachdem das Kioto-Protokoll Ende 2012 ausläuft, hatten sich die Vertragsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention 2011 in Durban zwar auf eine Verlängerung des Abkommens geeinigt, aber noch keine Reduktionsziele oder die Dauer der zweiten Verpflichtungsperiode festgelegt. Wie in den vergangenen Jahren auch wird eine Delegation des Umweltausschusses die Klimakonferenz besuchen, um die deutsche Regierungsdelegation durch Gespräche mit Vertretern anderer Staaten und Klimaexperten zu unterstützen. Karsten Sach vom Bundesumweltministerium, der für die deutsche Regierung die Verhandlungen führt, wünscht sich von der neuen Verhandlungsrunde vor allem zwei Dinge: "Wir brauchen anspruchsvolle Ergebnisse, denn nur dann können wir den Klimawandel wirklich beherrschen und wir brauchen neuartige Allianzen", sagte Sach. Dabei spiele gerade auch der Bundestag eine wichtige Rolle, da man auch für die Ratifizierung eines Kioto2-Protokolls die Zustimmung des deutschen Parlaments brauche. "Wir müssen zu einem Szenario kommen, das die Einhaltung des 2-Grad-Ziels ermöglicht", sagte Sach.

Bei dem Gespräch wurde deutlich, dass die Klimaexperten aus Gambia, dem Libanon und Bangladesh für einen Erfolg der Verhandlungen vor allem auch auf Deutschland und die Europäische Union setzen. "Wir ermutigen Deutschland weiter, dort eine federführende Rolle zu übernehmen", sagte Pa Ousman Jarju aus Gambia, der die LDC-Staaten, die am wenigsten entwickelten Länder, vertritt.

Leere Versprechungen

Von der Europäischen Union wünscht er sich eine weitergehende Reduktion der Klimaziele: "Wir sehen keinen Grund, eine Reduktion der Treibhausgase um 30 Prozent nicht zu erreichen", sagte er. Jarju kritisierte gleichzeitig, dass viele finanzielle Versprechungen, die gemacht wurden, nicht eingehalten worden seien. So sei versprochen worden, zwischen 2010 und 2012 insgesamt zwölf Milliarden Dollar für Maßnahmen zum Klimaschutz zur Verfügung zu stellen, "aber wir haben nichts", sagte der Afrikaner. Wael Hmaidan aus dem Libanon sieht die Konferenz als ein wichtiges Zeichen an, "dass die Debatte in unserer Region stattfindet". Vor allem im arabischen Raum gebe es bislang "einen Mangel an Bewusstsein", sowohl auf Regierungsebene, wie auch auf der akademischen Ebene. "Wir müssen mehr Länder mit uns Boot nehmen. Katar ist so ein Land", sagte er. Die Tatsache, dass es den Arabischen Frühling gegeben habe, sieht er als gutes Zeichen für mögliche Veränderungen auch im Bereich des Klimaschutzes. Denn, sagte Hmaidan: "Es gibt immer wieder Ereignisse, die Dinge verändern."

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag