Inhalt

Alexander Weinlein
Vier Euro pro Kind und Stunde

FAMILIE Koalition will bessere Bezahlung und Qualifikation für Tagesmütter und Tagesväter

In neun Monaten, ab dem 1. August 2013, hat jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf Betreuung in einer Tageseinrichtung oder in der Tagespflege. Bis heute streiten Koalition und Opposition jedoch darüber, ob die von Bund und Ländern zur Verfügung gestellten Mittel ausreichen, um den Bedarf an Betreuungsplätzen zu decken. Die Regierung rechnet mit einem Bedarf von 780.000 Plätzen, dies entspreche einer Betreuungsquote von 39 Prozent. Die Opposition hält dies für zu wenig. Um das angestrebte Ziel zu verwirklichen, so rechnete es das Statistische Bundesamt kürzlich vor, fehlen noch rund 220.000 Plätze.

Rund 30 Prozent aller neu zu schaffenden Plätze soll nach dem Willen der Bundesregierung durch Tagesmütter und -väter gedeckt werden. Im März 2011 wurden in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 124.000 Kinder, 64 Prozent von ihnen jünger als drei Jahre, durch eine der 42.679 Tagespflegepersonen betreut.

Die Rahmenbedingungen für die Arbeit in der Tagespflege, die zum überwiegenden Teil von Frauen geleistet wird, sind alles andere als rosig. Das monatliche Durchschnittseinkommen einer Tagespflegeperson liegt bei rund 600 Euro. Das entspricht einem Verdienst zwischen drei und vier Euro pro betreutem Kind und Stunde. Hinzu kommen mitunter harte Hygienevorschriften der Europäischen Union, die nur schwer einzuhalten sind.

Die Koalition will Abhilfe schaffen: Gemäß eines Antrags von CDU/CSU und FDP (17/11044), den der Bundestag am vergangenen Donnerstag mit der Stimmenmehrheit der Koalitionsfraktionen verabschiedete, soll die Bundesregierung gemeinsam mit Ländern und Kommunen eine Initiative "Tagesmütter und Tagesväter fair bezahlen" starten. Zudem soll sie sich bei den Ländern für eine "möglichst unbürokratische Auslegung" der EU-Hygienevorschriften einsetzen und die Initiativen zur Qualifizierung von Tagespflegepersonen stärker unterstützen. Um den Anteil von Männern in der Tagespflege zu erhöhen - im März 2011 registrierte das Statistische Bundesamt lediglich 1.081 Tagesväter - soll die Regierung prüfen, ob sich die von Familienministerin Kristina Schröder (CDU) gestartete Initiative "mehr Männer in Kitas" analog auf die Tagespflege übertragen lässt.

Kritik der Opposition

SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen attestierten zwar, dass der Antrag prinzipiell in die richtige Richtung weise. Allerdings beschränke er sich weitgehend auf die Unterstützung für bereits eingeleitete Maßnahmen und auf Prüfaufträge an die Regierung. Mit ihren eigenen Anträgen (17/5518, 17/9929), in denen die Sozialdemokraten und die Grünen die Einberufung eines weiteren Krippengipfels von Bund, Ländern und Kommunen forderten, um den tatsächlichen Bedarf an Betreuungsplätzen zu ermitteln, konnten sie sich nicht durchsetzen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag