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AUFGEKEHRT
Thomas von Winter
Nur nichts draufzahlen!

Jetzt ist sie also weg, die Praxisgebühr! Vorbei mit dem Stress, weil das Quartalsende naht und man vorher noch den Stuhltest abholen muss. Man geht einfach wieder zum Arzt, wenn man ihn braucht, kostet ja nix!

Damit hat es sich aber auch. Denn nach wie vor muss man pfiffig sein, um Eigenbeteiligungen zu vermeiden. Mit dem Gedanken, dass die gehorteten Medikamentenvorräte zur Neige gehen, haben wir uns längst abgefunden. Vor dem Griff in den eigenen Geldbeutel ist aber nur gefeit, wer darauf besteht, nur noch zuzahlungsfreie Medikamente verschrieben zu bekommen. Schwerer fällt es, sich von seiner Krankenkasse zu trennen. Aber eine Kasse, die Zusatzbeiträge erhebt, spielt mit unserer Loyalität. Es empfiehlt sich daher ein rascher Wechsel zu einer Kasse, die mit ihrem Anteil am Gesundheitsfonds auskommt.

Nur im Krankenhaus gibt es kein Entrinnen. Die 10 Euro Gebühr pro Tag werden unweigerlich fällig. Allerdings ist das Risiko, länger als nötig da behalten zu werden, gering, seit es die Fallpauschalen gibt. Bevor man für das Krankenhaus wegen zu langer Liegezeit unrentabel wird, ist man wieder draußen. "Blutige Entlassungen" sind zwar medizinisch riskant, aber finanziell vorteilhaft für alle Beteiligten.

Bleiben die IGeL-Leistungen. Hier lockt die Luxusmedizin, aber nur gegen Bares. Das ist ein Dilemma. Wer möchte schon auf den großen Gesundheitscheck verzichten? Oder darauf, sich bei jedem Schnupfen ein Blutbild machen zu lassen? Aber das kostet extra! Und nicht zu knapp! Hypochonder leben teurer, aber sicher länger.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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