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ORTSTERMIN: AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG TIEFTAUCHER UND ÜBERFLIEGER
Linda Dietze
Mal eine andere Perspektive einnehmen

Die Bilder sind stumm und erzählen doch viel. Von Angst und Hoffnung, von Lebensmut und Liebe. Das, was die geistig-behinderten Künstler mit ihren Werken in der Ausstellung "Tieftaucher und Überflieger" im Deutschen Bundestag zeigen wollen, ist breit gefächert. Mit Hilfe der Kunstwerke tauchen die Besucher in den Alltag von Menschen mit Behinderung ein, erfahren, was sie bewegt und berührt. Am vergangenen Mittwoch wurde die Schau der Lebenshilfen Aachen und Viersen im Paul-Löbe-Haus in Berlin eröffnet.

Phantasie spielt in den Werken eine entscheidende Rolle. So auch in dem Bild von Sürejja Durovska. Die Künstlerin mit geistiger Behinderung liebt das Spielen mit der surrealen Welt, das Abtauchen in die Kunst und das Spiegeln der Realität. Sie bringt in ihrem Werk auch das Miteinander im realen Alltag zum Ausdruck. Die übergroßen Augen in ihrem Werk wirken wie gefesselt, die Hände jedoch sind frei. Durovska ist eine der 31 Künstler, die ihre Arbeit im Paul-Löbe-Haus zeigen.

Die Ausstellung überspringe eine innere und äußere Grenze, sagte Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) zur Eröffnung der Vernissage. Denn die Werke stammen von ganz besonderen Menschen. "Menschen, die im Alltag immer wieder auf Barrieren stoßen, können sich in der Kunst frei entfalten."

Somit werde ein anderer Blick auf die Gesellschaft eröffnet, ein Blick, der neue Perspektiven schafft. Deshalb auch der Titel "Tieftaucher und Überflieger". "Dies ist eine Aufforderung an Menschen ohne Behinderung, auch mal eine andere Perspektive einzunehmen", so Beatrix Al-Khadra von der Lebenshilfe Aachen. Und im gewissen Sinne seien auch die Künstler selbst Überflieger.

Die Werke seien einzigartig in dem, was sie ausdrücken. "Sie stehen dafür, dass Menschen mit Behinderung dabei sein können", sagte die SPD-Abgeordnete Ulla Schmidt, die in ihrem Grußwort auch an das Unglück in der Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt Anfang vergangener Woche erinnerte.

Freud und Leid liegen auch in den Bildern eng beieinander. So mischt Sürejja Durovska in ihrem Werk Liebe und Angst, das Unheimliche mit Heiterem. Malen sei eine Ausdrucksform, mit der sich Behinderte Gehör verschaffen können, sagte Salvatore Minten von der Lebenshilfe Viersen. "Ich wünsche mir für die Menschen mit Behinderung Anerkennung, dass die Ausstellung das Gefühl der gesellschaftlichen Teilhabe vermittelt." Denn in den Arbeiten seien Grenzen und Zwänge kaum vorhanden, sondern sie vermitteln Freiheit und Lebensfreude. Somit sei die Schau eine Art Farbe zu bekennen - eben auf großen Leinwänden, so Uwe Schummer (CDU). "Die Arbeiten zeigen die Lust zu leben in allen Facetten", sagte er. Schummer hofft, dass die Künstler-Botschaft auch ankommt. z

Aus Politik und Zeitgeschichte

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