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Götz Hausding
Mundartgerechter Oberpfälzer: Alois Karl

Das Ende vom Lied kennt auch Alois Karl noch nicht. "Dass wir mit Griechenland Geld verlieren werden, habe ich aber schon länger gesagt", macht der CSU-Abgeordnete deutlich. Zurzeit seien es 730 Millionen Euro an Zinsen und Gewinnbeteiligungen, auf die Deutschland 2013 verzichte. "Ob das das Ende vom Lied ist, kann ich aber auch nicht sagen", räumt der Haushaltspolitiker ein. Dem Hilfspaket für Griechenland stimmt er auf jeden Fall zu. "Die Alternative", macht er deutlich, "ist schon mal gar nicht beglückend". Das Kuddelmuddel um den Termin der Bundestagsabstimmung nimmt Karl gelassen. "Mei, in der Politik passiert halt immer mal etwas Unerwartetes", sagt der Oberpfälzer. In gewissem Sinne hat er auch Verständnis für den Verschiebungswunsch der Opposition. "Wenn man inhaltlich schon dafür ist, wie die Grünen und die SPD, will man wenigstens nach außen zeigen, dass man sich sehr gründlich mit der Materie befasst hat."

Gründlich befasst mit der Materie ist Alois Karl schon länger. Seit 2009 ist er Mitglied im Europaausschuss und im Haushaltsausschuss. Mit dem Haushalten kennt sich der ehemalige Oberbürgermeister aus Neumarkt in der Oberpfalz sehr gut aus. 15 Jahre bekleidete er das Amt und ist stolz auf seine Erfolge. "Wir haben eine Pro-Kopf-Verschuldung von Null und erhebliche Rücklagen", erzählt er. Zum Oberbürgermeister gewählt wurde er 1990. Zuvor war er elf Jahre Leiter des Rechtsamtes in der Stadtverwaltung Neumarkt. "Dann schied der Oberbürgermeister aus Altersgründen aus dem Amt und das Gerangel innerhalb der CSU um seine Nachfolge ging los", erinnert er sich. Und Alois Karl war mittendrin. "Da muss man dann auch mal ein bisserl a fähiger Hund sein", sagt er verschmitzt und setzt zur Erläuterung für den Nicht-Bayern hinzu. "Ein bisschen tough sagt mal wohl auch." Er war "tough" genug, um den internen Ausscheid zu gewinnen. Bei der "Volkswahl" erhielt er schließlich bei drei Gegenkandidaten 57 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang.

Warum ist der Mann, der in Neumarkt geboren wurde, in Regensburg studiert und in Nürnberg als Anwalt gearbeitet hat, der also durchaus als heimatverbunden gelten kann, schließlich nach Berlin aufgebrochen? "Ich wollte einfach mal was Neues machen", sagt er. Also bewarb er sich bei der parteiinternen Nominierung in seinem Heimatwahlkreis als CSU-Direktkandidat für die Bundestagswahl 2005 und gewann hauchzart "mit einer Stimme Vorsprung". Die eigentliche Wahl war dann mal wieder nur Formsache: Mit knapp 60 Prozent holte er mehr als doppelt so viele Stimmen wie der zweitplatzierte SPD-Kandidat.

Während seiner ersten Bundestags-Legislaturperiode in Berlin arbeitete Karl im Innenausschuss. "Für einen Oberbürgermeister ist Innenpolitik durchaus ein Thema, das er bearbeiten kann", sagt er. Und dennoch: "Haushalt ist schon etwas, was ich sehr gerne mache", räumt er ein. Schließlich könne er da auch etwas von seiner eigenen Haushaltspolitik "zuhause" einbringen. Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von Null ist aber in absehbarer Zeit wohl nicht zu rechnen, oder? "Nein", sagt Alois Karl, "aber wir sind auf einem guten Weg". Sein politischer Weg in Berlin wird im Übrigen von Anfang an durch den Christdemokraten Wolfgang Schäuble begleitet. "Als ich im Innenausschuss saß, war Schäuble Innenminister. Jetzt ist er Finanzminister." Von Schäuble hat Alois Karl eine sehr hohe Meinung. "Das ist ein ganz ein beinharter Typ, auch gegen sich selbst", sagt er anerkennend.

Alois Karl selbst gibt sich gelegentlich auch als beinharter Rechtsverteidiger. Dann nämlich, wenn er für den FC Bundestag aufläuft. "Ja, ich bin da schon regelmäßig am Ball", sagt der 62-Jährige. Dem Kickerteam will er auch in der nächsten Legislaturperiode treu bleiben, wenn er denn gewählt wird. Den ersten - nach allen Erfahrungen auch den wichtigsten - Schritt zu einem erneuten Bundestagsmandat hat Alois Karl souverän gemeistert. Mit mehr als 95 Prozent wurde er jetzt in seinem Wahlkreis Amberg erneut zum CSU-Direktkandidaten gewählt. "Das sehe ich als Würdigung für meine Arbeit und auch als Auftrag an", sagt er.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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