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Julian Burgert
Meilenstein der Aussöhnung

Élysée-Vertrag Freundschaftsabkommen statt "Erbfeindschaft"

Er gilt als wichtiger Grundstein für die europäische Einigung und als Signal der Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland: 17 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges unterzeichneten der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Staatspräsident Charles de Gaulle am 22. Januar 1963 den "Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit". Nach dem Ort seiner Unterzeichnung, dem Pariser Élysée-Palast, wird der Vertrag auch "Élysée-Vertrag" genannt. Der Bundestag und die französische Nationalversammlung werden die Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag in einer gemeinsamen Sitzung begehen. Der Jahrestag ist der Höhepunkt des deutsch-französischen Jahres 2012/2013.

Freundschaftsvertrag

Der Kontrakt zog einen Schlusstrich unter die jahrhundertealte "Erbfeindschaft" zwischen beiden Ländern. Deutschland und Frankreich versicherten sich darin ihrer Freundschaft, in der Überzeugung, "daß die Versöhnung zwischen dem deutschen und französischen Volk, die eine Jahrhunderte alte Rivalität beendet, ein geschichtliches Ereignis darstellt, das das Verhältnis der beiden Völker zueinander von Grund auf neu gestaltet." Der Vertrag sollte zudem neue Impulse für die europäische Einigung geben. Die Politiker handelten "in der Erkenntnis, daß die Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern einen unerlässlichen Schritt auf dem Weg zu dem vereinigten Europa bedeutet, welches Ziel beider Völker ist".

In dem Vertrag verpflichteten sich beide Staaten zu regelmäßigen Treffen auf allen Ebenen der Regierung und Verwaltung. Gleichzeitig vereinbarten beide Länder wechselseitige Konsultationen in allen wichtigen Fragen der Politik. Das beinhaltete auch so sensible Politikbereiche wie Außen-, Europa- und Sicherheitspolitik. Zudem sollte im Kultur- und Bildungsbereich ein intensiver Austausch stattfinden. Denn der Jugend komme "eine entscheidende Rolle bei der Festigung der deutsch-französischen Freundschaft zu". Um diese Kontakte zu fördern, wurde im Juli 1963 das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) gegründet, das sich seitdem mit Schüleraustauschen für die gegenseitige Vermittlung der Sprache und Kultur einsetzt.

Dauerhafter Frieden

Zum 40. Jahrestag des Vertrages im Jahre 2003 würdigten der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder und Jacques Chirac, der damalige französische Staatspräsident, den Vertrag und bekräftigten dessen Botschaft. Der Élysée-Vertrag habe "die Aussöhnung zwischen unseren beiden Völkern besiegelt und die Grundlagen für einen dauerhaften Frieden auf dem Kontinent geschaffen". Zudem beschlossen sie die Schaffung zweier "Beauftragten für die deutsch-französische Zusammenarbeit" und erklärten den 22. Januar zum "Deutsch-Französischen Tag".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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