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Katrin Gänsler/dpa
Sorge vor Flächenbrand in Nordafrika

MALI/ALGERIEN

Nach der blutigen Geiselnahme in Algerien wachsen die Befürchtungen, dass militante Islamisten die gesamte Region der nordwestafrikanische Sahelzone in Angst und Schrecken versetzen. Eine algerische Militäraktion zur Befreiung von zum Teil ausländischen Geiseln aus der Hand mutmaßlicher Al-Qaida-Kämpfer auf dem Erdgasfeld In Amenas führte vergangenen Donnerstag zu einem Blutbad. Nach Darstellung der Terroristen starben allein bei Luftschlägen der algerischen Armee 35 Geiseln und 15 Kidnapper. Hinter der Geiselnahme steht nach algerischen Angaben die Organisation Al-Qaida im islamischen Maghreb (AQMI). Die militanten Islamisten fordern ein Ende des französischen Einsatzes im benachbarten Mali.

Nach monatelangem Zögern und Beratungen auf internationaler Ebene hatte Frankreich Anfang Januar überraschend Streitkräfte nach Mali entsendet, um den Vormarsch von militanten Tuareg und islamistischen Terroristen zu stoppen. Insgesamt könnten in den kommenden Wochen 2.500 Soldaten zum Einsatz kommen, gemeinsam mit Truppen aus den westafrikanischen Nachbarländern sowie der malischen Armee. Deutschland stellt zunächst zwei Transportflugzeuge der Luftwaffe bereit. Die Sicherheit in der westafrikanischen Region sei "ein Teil der eigenen Sicherheit", da "der Terrorismus im Norden von Mali nicht nur eine Bedrohung für Afrika ist, sondern auch eine Bedrohung für Europa" sei, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach einem Treffen mit dem Vorsitzenden der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas und Präsidenten der Elfenbeinküste, Alassane Outtara. Die Europäische Union will nach einem Beschluss der EU-Außenminister so rasch wie möglich 450 Soldaten nach Mali entsenden, darunter 200 Militärausbilder.

Erleichterung in Bamako Die Ankunft der Soldaten der früheren Kolonialmacht Frankreich wird in dem westafrikanischen Land überwiegend mit Erleichterung aufgenommen: Mopeds und Autos fahren seit Tagen in der Hauptstadt Bamako mit der Tricolore durch die Straßen. Medien zitieren reihenweise Malier, die den Einsatz der Franzosen begrüßen. Der 22-jährige Soumaïla Dembélé, der in der Stadt Sévaré in Zentralmali lebt, ist einer von ihnen. "Endlich tut sich etwas. Endlich besteht die Möglichkeit, den Norden zurückzuerobern", sagt der junge Mann.

Im April 2012 hatte die Befreiungsbewegung von Azawad (MNLA), der hauptsächlich Tuareg angehören, den Norden für unabhängig erklärt. Anschließend war das von der MNLA besetzte Gebiet durch radikale Islamisten von Ansar Dine ("Verfechter des Glaubens") sowie die Terrorgruppe Mujao ("Bewegung für Einheit und Jihad in Westafrika") besetzt worden. Außerdem soll die Al-Qaida im islamischen Maghreb in den vergangenen Jahren ein Netzwerk in der Region aufgebaut haben. Ansar Dine bestritt vergangene Woche jedoch Verbindung zu Al-Qaida und den Geiselnehmern in Algerien. "Wir haben keinen Grund, dort zu sein", sagte ein Sprecher der Gruppe der Nachrichtenagentur dpa.

Während die Al-Qaida für den Drogen- und den Waffenhandel aus den Arsenalen des libyschen Bürgerkriegs im Norden Malis sorgen soll, kämpfen Mujao und Ansar Dine für die Einführung der Scharia. Eine große Mehrheit der Malier lehnt die islamische Gesetzgebung ab, obwohl sich mehr als 90 Prozent der Einwohner zum Islam bekennen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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