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Thomas von Winter
Konzepte gegen Arbeitsstress

ARBEITSWELT Psychische Belastungen durch Termin- und Leistungsdruck nehmen zu

Die physischen und psychischen Belastungen in der Arbeitswelt haben zugenommen. Diese Auffassung vertritt die Fraktion der SPD in einem Antrag (17/12818), über den der Bundestag vergangenen Donnerstag erstmals debattiert hat. Er wurde zur weiteren Beratung an den Ausschuss für Arbeit und Soziales überwiesen. Die Verdichtung der Arbeit, steigende Arbeitszeiten sowie immer mehr Schicht-, Abend- und Nachtarbeit erhöhten den psychosozialen Druck auf die Arbeitnehmer, meint die SPD.

Anti-Stress-Verordnung

Die geltenden Bestimmungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz würden den gewandelten Bedingungen aber nicht mehr gerecht. Die Sozialdemokraten verlangen daher von der Bundesregierung ergänzende gesetzliche und untergesetzliche Maßnahmen, wie eine sogenannte Anti-Stress-Verordnung.

In der Debatte verwies der SPD-Abgeordnete Josip Juratovic auf den zunehmenden Leistungsdruck in Pflege und Krankenpflege. Pflegekräfte seien manchmal verzweifelt, "weil die Menschlichkeit wegen der industrieähnlichen Arbeitsabläufe verloren geht". Arbeits- und Gesundheitsschutz müssten daher dringend modernisiert werden.

Der CDU-Abgeordnete Matthias Zimmer erklärte, auch die Union halte es für bedenklich, "dass die Zahl psychisch bedingter Fälle von Arbeitsunfähigkeit zunimmt", sagte Zimmer. Der Schutz der seelischen Gesundheit im Betrieb stehe und falle aber mit der Unternehmenskultur. Diese lasse sich jedoch nur schwer rechtlich regeln. "Antistress per Gesetz würde ins Leere laufen", meinte Zimmer.

Der FDP-Abgeordnete Heinrich L. Kolb verwies auf Angaben des Statistischen Bundesamtes, wonach der deutschen Wirtschaft allein durch psychische Erkrankungen Kosten von jährlich 29 Milliarden Euro entstehen. Die Politik könne dagegen aber Einiges tun, etwa durch Maßnahmen wie die "Initiative Neue Qualität der Arbeit" des Arbeitsministeriums.

Die Linken Abgeordnete Jutta Krellmann erklärte, viele Forderungen der SPD deckten sich mit denen der Linken. Es gebe aber einen großen Unterschied: "Sie behandeln in Ihrem Antrag die Symptome und nicht die Ursachen", bemängelte Krellmann. Der Wandel der Arbeitswelt sei aber "keine Naturkatastrophe", sondern politisch gewollt.

Nach Ansicht der Grünen-Abgeordneten Beate Müller-Gemmeke hat der Stressreport 2012 bestätigt, dass mehr als die Hälfte der Beschäftigten unter starkem Termin- und Leistungsdruck stehe. Die Bundesregierung habe auf die Ergebnisse des Stressreports aber nur mit einer "gesetzlichen Miniregelung" im Arbeitsschutzgesetz reagiert, sagte Müller-Gemmeke.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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