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VOR 15 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Ende der Terrorgruppe

20. April1998: Die RAF löst sich auf

Das Schreiben bestand aus acht Seiten und erreichte das Kölner Büro der Nachrichtenagentur Reuters am 20. April 1998. Auf der letzten Seite prangte der seltsam vertraut wirkende fünfzackige Stern mit Maschinenpistole und den drei Buchstaben RAF - das Logo der Roten Armee Fraktion. Schon auf der ersten Seite steht der entscheidende Satz: "Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte." Die Terrorvereinigung hatte sich 28 Jahre nach ihrer Gründung selbst aufgelöst.

Zwar hielt die RAF das Land vor allem in den 1970er Jahren in Atem, ihr Terror erreichte während des sogenannten "Deutschen Herbst" 1977 ihren schrecklichen Höhepunkt. Doch Anschläge verübte sie bis in die 1990er Jahre hinein, den letzten im März 1993, als sie das neu erbaute Gefängnis Weiterstadt in der Nähe von Darmstadt zerstörten. Erst seit 1995 gilt die RAF nach Einschätzung der Generalbundesanwaltschaft als "nicht mehr aktionsfähig". Das achtseitige Auflösungsschreiben endete unterdessen mit der Auflistung der 26 RAF-Terroristen, die ums Leben kamen. Die 34 Menschen, die die RAF in den knapp 28 Jahren ihres Bestehens tötete, blieben dagegen unerwähnt. Eine Entschuldigung für die Taten? Fehlanzeige. Im Gegenteil: "Die RAF war der revolutionäre Versuch einer Minderheit", schrieben die Verfasser. "Wir sind froh, Teil dieses Versuchs gewesen zu sein. Das Ende dieses Projekts zeigt, dass wir auf diesem Weg nicht durchkommen konnten." Dies spreche jedoch "nicht gegen die Notwendigkeit und Legitimation der Revolte".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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