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AUFGEKEHRT
Thomas von Winter
Himmlisches Rezept

Kennen Sie den? Im Himmel ist der Koch ein Franzose, der Finanzfachmann ein Schweizer, der Polizist ein Engländer, der Liebhaber ein Italiener und der Chef der Verwaltung ein Deutscher. In der Hölle hingegen ist der Finanzfachmann ein Italiener, der Koch ein Engländer - und so weiter.

Wenn die Bundestagswahl im Herbst so ausgeht, wie viele vermuten, dann wird die Koalitionsbildung richtig schwierig. Dann gibt es wahrscheinlich nur die Alternative zwischen Teufel und Beelzebub. Warum nicht also die Regierungsbildung einmal ganz anders gestalten? Alle Bundestagsparteien werden an der Regierung beteiligt und alle bekommen Ministerämter. Bei der Verteilung dieser Ämter könnte man sich dann an dem oben beschriebenen Muster orientieren.

Die Höllenvariante dient bloß der Abschreckung, daher schenken wir sie uns. Malen wir uns also die Himmelsvariante aus: Der Spitzenkandidat der SPD könnte das Außenministerium übernehmen, um uns in seiner gewohnt diplomatischen Art Freunde in aller Welt zu verschaffen. Das Familienministerium könnte mit einer Doppelspitze aus zwei Damen der CDU und der CSU besetzt werden, um die ganze Breite der familienpolitischen Positionen der Union abzudecken, etwa in Fragen des Betreuungsgeldes. Die Linke übernimmt das Finanzministerium, weil sie keine Scheu hat, eine offensive Steuerpolitik zu betreiben. Die FDP behält das Entwicklungshilfeministerium, weil dann bald auch in der Wüste die Marktwirtschaft blüht. Und die Grünen übernehmen das Verkehrsministerium, damit endlich mal jemand mit der Entschleunigung des Lebens in Deutschland ernst macht. Oder dann doch lieber die Hölle?

Aus Politik und Zeitgeschichte

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