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Hans Krump
Klarer Kompass: Philipp Mißfelder

Auch die Junge Union (JU) hat schon bessere Tage gesehen. 130.000 Miglieder zählt der Unions-Nachwuchs heute - halb so viel wie Anfang der 1980-er Jahre. Den Trend der Mutterparteien mit abnehmenden Mitgliedszahlen spüren vor allem ihre Jugendorganisationen, wo zur Demografie noch die Politikferne vieler Jüngerer hinzukommen. Philipp Mißfelder, 33, seit 2002 JU-Chef, lässt sich davon nicht beirren: "Wir gehen dahin, wo junge Menschen sind", sagt er. Ob zur weltgrößten Computerspielmesse oder in Sportvereine. Viele JU-Mitglieder seien gesellschaftlich sehr engagiert und fragten ihre Freunde, ob sie nicht auch politisch aktiv werden wollen. Mißfelder: "Die persönliche Ansprache ist immer die glaubwürdigste."

Auch das vielkritisierte schwerfällige Ortsvereinswesen der Parteien sieht der JU-Chef im digitalen Zeitalter nicht als abschreckend für Jüngere an. "Es muss beides geben: Beteiligungsmöglichkeiten im Internet und die persönliche Begegnung im Ortsverband." Die Junge Union habe "zum Beispiel gute Erfahrungen mit Firmenbesichtigungen gemacht, bei denen JUler gemeinsam unterwegs sind und neue Eindrücke ihrer Heimat gewinnen", sagt Mißfelder.

Optimismus ist eine Tugend des Jugend-Politikers Mißfelder, auch was die Zukunft der Volksparteien betrifft. Die Union habe hier für alle Bereiche "das umfassendste Angebot". Wichtig sei, dass "sich eine Volkspartei um die Probleme der Menschen im Kleinen wie im Großen kümmert, ohne so zu tun, als ob sie alles lösen kann".

Politik für die Jungen in der Union wird Philipp Mißfelder gleichwohl nicht mehr lange machen können: Beim Deutschlandtag im Herbst 2014 wäre er 35 und dürfte nicht mehr als JU-Chef antreten. Immerhin hat er dann zwölf Jahre den Unions-Nachwuchs geführt - so lange wie kein anderer Amtsinhaber vor ihm.

Der gebürtige Gelsenkirchener ist eine gefühlte Ewigkeit Politiker, denn er begann schon in jungen Jahren mit der Politik. Der Sohn eines Stahlarbeiters sah am Fernseher fasziniert, wie Kohl die deutsche Einheit gestaltete: "Es waren die deutsche Einheit und die Politik von Helmut Kohl, die mich zur CDU führten." Mit zwölf kam er zur Schüler-Union (die er von 1998 bis 2000 führte), mit 14 zur JU. In die CDU trat er als 16-Jähriger ein, mit 23 übernahm er als jüngster Bundesvorsitzender aller Zeiten die JU-Führung, ein sicheres Sprungbrett für höhere Parteikarrieren. Und für den studierten Historiker ging es nur noch bergauf: 2005 kam er in den Bundestag, 2008 wurde er ins Präsidium der CDU gewählt, seit 2009 ist er außenpolitischer Sprecher der Unions-Fraktion.

Bundesweit Schlagzeilen machte Mißfelder 2003, als er als 23-Jähriger keck fragte, ob 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke bezahlt bekommen sollen. Es gab es einen Sturm der Kritik. Er überstand diesen wie auch spätere kleine Provokationen, ob zum Renteneintrittsalter, zu Hartz IV oder einem geforderten Euro-Parteitag.

Bei aller Karriere sei der christliche Glaube stets sein Kompass, sagt der praktizierende Katholik. Immer wieder meldet sich Mißfelder kritisch zu Wort, wenn es um die von Parteichefin Angela Merkel propagierte "Modernisierung" der CDU geht. Trotz Wahlpleiten in Metropolen bestreitet er, dass es eine "separate Großstadtpolitik gibt, die im Zweifel moderner wäre". Wie auf dem Land wollten auch Stadtbewohner funktionierende Infrastruktur, gute Schulen oder sichere Nachbarschaft. Er hat primär die Stammwähler im Auge. In einem Papier zum "modernen bürgerlichen Konservativismus" forderte er die Rückbesinnung der Partei auf bürgerliche Werte. Der verheiratete Vater einer Tochter hat keine Probleme damit, sich konservativ zu nennen: "An Bewährtem festhalten und gleichzeitig bereit sein, Nichtbewährtes auf den Prüfstand zu stellen", lautet sein Credo. Mißfelders Stunde könnte kommen, wenn sich die "durchrefomierte" CDU nach Merkel wieder stärker ihrer Traditionen besinnt.

Für die Bundestagswahl 2013 wurde er wieder auf einen sicheren Listenplatz der NRW-CDU gewählt. Strebt er ein Ministeramt an? Die Aufgabe als außenpolitischer Fraktions-Sprecher mache ihm "viel Freude", sagt er professionell. Sein Ziel sei es, als JU-Chef mit CDU und CSU die Wahl zu gewinnen. Als Hobbys nennt der Zwei-Meter-Mann: "Mit der Familie Zeit verbringen, lesen, interessante Filme schauen."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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