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Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

"Ich agierte als Dolmetscher und gelegentlich als Schiedsrichter, sie als Gladiatoren in der Arena." So beschreibt Kofi Annan, von 1997 bis 2003 Generalsekretär der Vereinten Nationen, seine und die Rolle der Konfliktparteien im Vorfeld des Irak-Krieges. Detailliert berichtet er in seiner lesenswerten Autobiografie über Hintergrundgespräche, geheime Vereinbarungen und die Entstehung der Sicherheitsratsresolutionen während seiner Amtszeit. Den USA und Großbritannien habe es nicht zugestanden, "das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen" und im März 2003 ohne klare Resolution im Irak zu intervenieren. Am Ende hätten Anarchie und ein zehnjähriger Bürgerkrieg die Tyrannei Saddam Husseins ersetzt. Besonders getroffen hat Annan die Erklärung des damaligen britischen Premierministers Tony Blair, der Sicherheitsrat habe seine Legitimität verloren, als er der Intervention seine Zustimmung verweigerte. Dabei stand der Irak-Krieg "weder im Einklang mit der UN-Charta, noch war er legitim", resümiert Kofi Annan.

Als Sohn eines ghanaischen Vertreters eines europäischen Handelsunternehmens, Freimaurers und gläubigen Anglikaners verbrachte Kofi Annan sein ganzes Berufsleben in den Organisationen der Vereinten Nationen. Mit seinem "persönlichen Bericht" will der frühere Generalsekretär den Lesern vermitteln, welche katastrophalen Kosten Konflikte verursachen. Gleichzeitig betont er die Vorteile der globalen Zusammenarbeit im Kampf gegen Hunger, Armut und Krankheiten.

Besonders interessant liest sich seine Darstellung über Verhandlungen vor dem Kosovo-Krieg. Damals stellte sich Annan auf die Seite der USA und Großbritanniens, obwohl der UN-Sicherheitsrat die Anwendung von Gewalt nicht autorisiert hatte. Auch die "Fehlschläge der Vergangenheit", wie die Machtlosigkeit der Vereinten Nationen während der Völkermorde in Ruanda und Bosnien, werden von Annan schonungslos und ohne diplomatische Zurückhaltung dargestellt.

Kofi Annan:

Ein Leben in Krieg und Frieden.

Deutsche Verlags-Anstalt, München 2013; 463 S., 26,99 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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