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Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

Auf dem Cover loben nicht weniger als sechs Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften das Buch ihrer amerikanischen Kollegen Daron Acemoglu und James A. Robertson. Doch auch ohne diese Werbung hätte das umfassende Werk seine Leser gefunden. Allein schon deshalb, weil sich die Autoren ein Thema vorgenommen haben, das vielen auf den Nägeln brennt: Acemoglu und Robertson wollen nicht weniger als die Ursprünge von Wohlstand und Armut aufdecken und erklären, warum einige Nationen im Reichtum und andere in weniger wohlhabenden Verhältnissen leben.

In konkreten Länder- und Fallstudien analysieren die Autoren die politischen und wirtschaftlichen Systeme. Sie weisen nach, dass "inklusive" Institutionen die Voraussetzung für Wohlstand sind: Die Nationen wurden reich, weil ihre Bürger die Machteliten stürzten und eine Gesellschaft schufen, in der die politischen Rechte breit verteilt sind, in der die Regierung den Bürgern Rechenschaft schuldet, auf ihre Wünsche reagiert und in der die große Mehrheit des Volkes seine wirtschaftlichen Chancen nutzen kann. Zugleich beschränke sich die Rolle des Staates darauf, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aktivitäten zu regulieren. Allerdings seien solche Staaten in der Geschichte die Ausnahme. Tatsächlich würden in der großen Mehrzahl der Nationen auch heute noch "extraktive" Institutionen vorherrschen, die nicht für Gesetz, Ordnung und die Einhaltung von Verträgen sorgten. Doch allein die Existenz demokratischer Institutionen, von Rohstoffvorkommen und guten klimatischen Bedingungen reichten nicht aus, um Wohlstand dauerhaft zu ermöglichen. Liege die politische Macht ausschließlich in den Händen einer kleinen Elite, würden selbst reiche Nationen über kurz oder lang verarmen.

Mit Blick auf Europa zeigen sich die Autoren dieses exzellenten Buches optimistisch. Die Institutionen der Mitgliedstaaten und der EU verhinderten, dass die derzeitige Krise im "Verderben" ende.

Daron Acemoglu, James A. Robinson:

Warum Nationen scheitern.

S. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 2013; 608 S., 24,99 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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