Inhalt

Alexander Weinlein
Die Geschichte einer Dauerdiät

STREITKRÄFTE Seit Anfang der 1990er Jahre wird die Bundeswehr verkleinert, umstrukturiert und reformiert

Annähernd eine halbe Million Soldaten hat die Bundesrepublik Deutschland am Vorabend der Deutschen Einheit unter Waffen stehen. Eine riesige Landstreitmacht, konzipiert und ausgerüstet für einen Krieg mit den Warschauer Pakt. Am 3. Oktober 1990 wechseln mit der Wiedervereinigung weitere rund 90.000 Soldaten der Nationalen Volksarmee der DDR unter das Kommando der westdeutschen Bundeswehr. Seit diesem Tag steht die Bundeswehr in einem Prozess der Dauerreform. Gemäß des "Zwei-Plus-Vier-Vertrages" muss Deutschland gewaltig abrüsten: auf mindestens 370.000 Soldaten. Gemäß eines Beschlusses der Bundesregierung im Sommer 1994 werden es dann sogar nur 335.000.

Mit den 1990er Jahren kommen neue Aufgaben und Belastungen auf die Truppe zu. Verstärkt engagiert sich Deutschland jetzt in internationalen Militäreinsätzen. Schnell wird klar, dass die Bundeswehr darauf nur unzureichend vorbereitet ist. Es mangelt an den passenden Strukturen, Ausbildung und Ausrüstung.

Im Sommer 2000 muss die Armee unter Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) weiter abspecken: auf 285.000 Soldaten. Wieder werden Standorte geschlossen, neue Strukturen geschaffen. Zudem dürfen jetzt auch Frauen Dienst an der Waffe leisten. Die Integration der weiblichen Soldaten stellt die Truppe vor neue Herausforderungen, die bis heute nicht alle gelöst werden konnten: Kinderbetreuung und Familienfreundlichkeit heißen die Schlagworte. Rund 19.000 Frauen dienen inzwischen in der Bundeswehr.

Diese Reformen sind noch nicht abgeschlossen, da verkleinert Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) die Bundeswehr ab 2003 noch einmal um 35.000 Soldaten. Und wieder stehen Standortschließungen und die Auflösung von Einheiten an. Immer öfter wird jetzt auch lautstark über ein Ende der Allgemeinen Wehrpflicht diskutiert.

Im Jahr 2010 ist es dann so weit. Unter Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wird die Wehrpflicht ausgesetzt. Die Bundeswehr wird zur reinen Freiwilligenarmee. Und sie soll noch einmal kleiner werden - der Sparzwang fordert angesichts der Staatsverschuldung seinen Tribut. Die Reform, die jetzt von Thomas de Maizière (CDU) vollendet werden muss, sieht eine Größe von 185.000 Soldaten vor, darunter sind 12.500 Freiwillig Wehrdienstleistende. Bis zu 10.000 Soldaten sollen zukünftig gleichzeitig in mehreren Auslandsmissionen eingesetzt werden können.

Abspecken muss die Truppe auch bei den großen Waffensystemen. Vor allem bei Kampf- und Schützenpanzern sowie Panzerhaubitzen, Hubschraubern und Transportflugzeugen.

Gleichzeitig muss die Bundeswehr attraktiver werden, um angesichts schwacher Geburtenjahrgänge und allgemeinen Facharbeitermangels genügend qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag