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Götz Hausding
An der Quote scheiden sich die Geister

WISSENSCHAFT Koalition und Opposition wollen mehr Frauen an den Hochschulen

Mittel- bis langfristig soll der Frauenanteil auf allen Karrierestufen von Hochschulen und Forschungseinrichtungen bei mindestens 30 bis 40 Prozent liegen. Das fordern die Koalitionsfraktionen in einem Antrag (17/12845), den der Bundestag am vergangenen Donnerstag in erster Lesung in die Ausschüse überwiesen hat. Union und FDP bedauern, dass "die Gleichstellung von Frauen und Männern in den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen der deutschen Wissenschafts- und Forschungslandschaft noch nicht auf allen Karrierestufen erreicht ist". Dieser Befund sei zwar "höchst unbefriedigend". Es handle sich allerdings nur eine Momentaufnahme, da es gute, zukunftsweisende Ansätze gebe, um diesen Mangel zu beheben, heißt es in der Vorlage.

Gleichstellungskonzept

Konkret fordern die Koalitionsfraktionen die Bundesregierung auf, die Ergebnisse der Evaluation der Gleichstellungsstandards der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und deren Übertragung in die Projekt- und Ressortforschung des Bundes zu prüfen und wenn möglich zu integrieren. Außerdem sollte die Regierung ihre Rolle als Impulsgeber in Fragen der Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung durch ein gleichstellungspolitisches Konzept stärken, regen Union und FDP an.

Keine Unterstützung durch die Koalitionsfraktionen fand hingegen die Forderung der Opposition, verbindliche Zielquoten zu bestimmen, deren Nichterfüllung mit Konsequenzen in der regulären Mittelvergabe geahndet wird. Ein entsprechender gemeinsamer Antrag von SPD, Linksfraktion und Bündnis 90/Die Grünen (17/9978) wurde mit der Koalitionsmehrheit abgelehnt. Die Oppositionsfraktionen hatten darin die Regierung aufgefordert, gemeinsam mit den Ländern, Zielquoten nach dem Kaskadenmodell in den Forschungsorganisationen einzuführen, weiter zu entwickeln und verbindlich auszugestalten. Dieses Modell sieht vor, dass in jeder Hierarchieebene der Frauenanteil erreicht wird, der bereits auf der jeweils darunter gelegenen Ebene besteht.

Druck kontra Anreize

Um Druck auf die Wissenschaftseinrichtungen auszuüben, soll nach dem Vorstellungen der Opposition die Vergabe eines Teils der Mittel des Pakts für Forschung und Innovationen an die Erfüllung quantifizierter gleichstellungspolitischer Ziele gebunden werden. Die Regierung, so lautet der Vorwurf der Oppositionsfraktionen, nehme das Thema nicht ernst genug. Es seien zu wenige Daten vorhanden und der Handlungsbedarf werde nicht richtig erkannt.

Aus Sicht der Koalition besteht zwar Einigkeit darüber, dass Frauen in der Wissenschaft mehr Unterstützung benötigen. Allerdings ziehe man eine Stärkung der Anreize den von der Opposition geplanten Sanktionen vor. Den Vorwurf, die Regierung sei in dieser Frage zu passiv, wiesen Union und FDP zurück. Schließlich sei das Professorinnenprogramm fortgeschrieben worden, um das Zeitfenster bis 2019 zu nutzen und die Frauenquote zu erhöhen, wenn Professorinnen und Professoren in den Ruhestand gingen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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