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Bernd Haunfelder
Rekordhalter im Parlament

ABGEORDNETE

Als im Dezember 2012 der SPD-Bundestagsabgeordnete und langjährige Berliner Senator Kurt Neubauer im Alter von 90 Jahren starb, kündeten Nachrufe von seinen vielfältigen Verdiensten um die Stadt. Dass Neubauer auch der letzte überlebende Abgeordnete des ersten Deutschen Bundestags war, fand indessen keine Erwähnung. Als Vertreter Berlins gehörte er seit Februar 1952 dem Bonner Parlament an. Zum Zeitpunkt seiner ersten Wahl in den Bundestag im Jahr 1952 war Neubauer jüngster Abgeordneter des Parlamentes. Mit seinem Tod sind keine weiteren Abgeordneten des ersten Deutschen Bundestages mehr am Leben.

Mit Neubauer saß Hans Friedrich in der ersten Wahlperiode im Bundestag, zuerst für den Gesamtdeutschen Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) und später für die FDP. Der 1917 geborene Friedrich wurde bis vor einigen Wochen noch in der Datenbank des Bundestags als lebend geführt. Inzwischen ist sein Todesdatum, der 25. Juni 1998, bekannt. Der letzte überlebende Abgeordnete des ersten Bundestags, der 1949 gewählt wurde, war somit der 2008 gestorbene Bremer Arzt Siegfried Bärsch.

Schäuble vor Rekord Ältestes lebendes Bundestagsmitglied ist zurzeit der 1912 geborene Fritz Hellwig; er gehörte dem Hohen Hause von 1953 bis 1959 an.

Auf jeweils 41 Jahre Parlamentszugehörigkeit kommen Richard Stücklen von 1949 bis 1990 sowie Wolfgang Schäuble; Letzterer ist seit 1972 Bundestagsabgeordneter. Gehört er auch der kommenden Wahlperiode in Gänze an, wird er zugleich der am längsten dienende Abgeordnete der nationalen Parlamentsgeschichte sein. Auf 42 Abgeordnetenjahre kam bisher Albert Horn, der von 1874 bis 1918 den Wahlkreis Neiße für die Zentrumspartei vertrat.

Aus der Gründungszeit der Bundesrepublik Deutschland leben keine Politiker mehr. Walter Scheel ist der letzte überlebende Bundesminister aus der Zeit der Bundeskanzler Adenauer und Erhard. 1961/62 sowie von 1963 bis 1966 amtierte Scheel als Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Auch aus dem Kabinett Kurt Georg Kiesingers leben nur noch zwei Minister, Horst Ehmke und Erhard Eppler.

Ältester überlebender Reichstagsabgeordneter der Weimarer Republik war der im Jahr 2000 im Alter von 100 Jahren gestorbene Josef Felder. Als letzter Überlebender des kaiserlichen Reichstags gilt der 1968 in Berlin gestorbene Oberlehrer Hans Sivkovich von der Fortschrittlichen Volkspartei; er wurde 87 Jahre alt.

Von den Abgeordneten aus dem wilhelminischen Zeitalter, die noch nach 1945 parlamentarisch aktiv waren, gibt es vermutlich nur einen, sieht man von Adenauers kurzzeitigem Auftritt im Preußischen Herrenhaus 1918 ab. Es handelt sich um den 1872 geborenen Weidener Nachkriegs-Oberbürgermeister und dortigen CSU-Mitbegründer Franz Joseph Pfleger. Er gehörte von 1912 bis 1918 dem Deutschen Reichstag für die Zentrumspartei an und war 1946 Mitglied der Verfassunggebenden Bayerischen Landesversammlung.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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