Inhalt

Karl-Otto Sattler
Vom Wert der Bienen

UMWELT Parlamentarier präsentieren Naturkapital-Initiative

Für Michael Kauch (FDP) sind sie ein gutes Beispiel zur Erläuterung der "Naturkapital-Initiative": die fleißigen Bienchen. Bei diesem Konzept, der von Parlamentariern getragenen Umweltorganisation Globe geht es darum, der Natur und deren Leistung für Wirtschaft und Gesellschaft einen finanziellen Wert, einen Preis zuzumessen. Bei einer Globe-Tagung vergangenen Freitag im Bundestag rechnete der Abgeordnete vor: Sterben die Bienen, seien massive Ernteausfälle mit enormen wirtschaftlichen Schäden zu beklagen. Und würden diese Kosten beziffert, hoffte der FDP-Politiker, dann wachse die Neigung, Bienenkrankheiten zu bekämpfen, was billiger sei als den Bienentod samt Folgen hinzunehmen.

Kauch ist Chef der deutschen und europäischen Sektion von Globe, zu deren Kongress Delegierte aus 20 Ländern angereist waren. Das Treffen, zu dessen Mitveranstaltern das Entwicklungshilfe-Ministerium und der Umweltausschuss gehörten, sollte Werbung für das Modell des Naturkapitals machen. Anlass für die Tagung war die Präsentation einer Naturkapital-Studie für Deutschland und sieben weiterer Staaten. Hierzulande sieht die Expertise Verbesserungen bei der Luft- und Wasserqualität, während die Artenvielfalt schrumpfe.

Schwer zu berechnen

Der indische Wissenschaftler Pavan Sukhdev plädierte für eine Integration des Naturkapitals in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung und in die Messung des Wohlstands. Sukhdev erläuterte indes, dass Preise für Leistungen, die von der Natur erbracht werden, schwer zu berechnen seien. So hätten intakte Ökosysteme für arme Bauern in der Dritten Welt einen höheren Wert als für Banker. Und wenn man für die Leistung der Amazonaswälder einen Preis ermittele, dann sei offen, welche Anrainerstaaten wie viel zu zahlen hätten. Als Fürsprecher der Naturkapital-Initiative trat Dirk Niebel (FDP) auf. Ziel sei nicht die "Ökonomisierung der Natur", so der Entwicklungshilfeminister. Doch die Umwelt erbringe viele Leistung bislang gratis, und würde deren Wert berechnet, dann werde die Natur zum Bestandteil des alltäglichen Wirtschaftslebens. Der FDP-Politiker unterstrich, Nutzungs- und Schutzkonzepte für die Umwelt müssten stärker mit der Bekämpfung von Armut verbunden werden. Als Beispiel nannte er einen unter Naturschutz stehenden südafrikanischen Nationalpark, in dem die örtliche Bevölkerung mit umweltschonendem Tourismus Geld verdiene.

Auch Eva Bulling-Schröter (Die Linke) begrüßte die Initiative: Erhalte die Umwelt einen Preis, so könne dies beim Klimawandel oder bei Hochwasserkatastrophen helfen, die Bereitschaft zur Finanzierung von Gegenmaßnahmen zu fördern. Indes warnte sie aber auch vor Problemen. So könne man auf die Idee kommen, Deichbau sei billiger als Klimaschutz. Möglicherweise bilde sich gemäß den ermittelten Werten eine Rangfolge bei schutzwürdigen Naturgütern heraus, kritisierte die Chefin des Umweltausschusses: "Man darf den Umweltschutz nicht einfach einer Kosten-Nutzen-Rechnung unterwerfen."

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag