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Annette Rollmann
Deutschland als Vorbild

BERUFSBILDUNG Die Koalition will die Jugendarbeitslosigkeit in der EU mit dem dualen Ausbildungssystem bekämpfen

Für viele jungen Menschen, die in Deutschland eine Ausbildung abgeschlossen haben, ist der Arbeitsmarkt derzeit günstig. Eine wichtige Ursache für diese positive Entwicklung sei das duale Ausbildungssystem. Zumindest darüber waren sich die Redner der Koalition und der SPD in der Debatte am vergangenen Freitag zum Berufsbildungsbericht 2013 (17/13650) weitgehend einig. Die Grünen und die Linksfraktion setzten andere Akzente und mahnten insgesamt Reformbedarf an.

Die Koalitionsfraktionen wollen mit dem dualen System gar die hohe Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union bekämpfen und fordern deshalb entsprechende Kooperationen mit den EU-Mitgliedstaaten. Den entsprechenden Antrag von Union und FDP (17/13484) nahm der Bundestag mehrheitlich an. Abgelehnt hingegen wurden die Anträge der SPD zur betrieblichen Ausbildung (17/14134), der Grünen zu Bildungschancen im Lebensverlauf (17/13554) und der Linken, die einen Rechtsanspruch auf Ausbildung fordern (17/14119).

Ernst Hinsken (CDU) sagte zu Beginn seiner Rede: "Vor ihnen steht ein Dualer. Einer, der es über das duale System zu Meisterwürden gebracht hat." Er habe damit das nötige Rüstzeug für das Leben erhalten. Die parallele Ausbildung in Betrieben und Berufsschulen bringe nicht nur Jugendliche von der Straße weg, sondern schaffe die Grundlage dafür, dass die Wirtschaft später auf tüchtige Fachkräfte zurückgreifen könnte.

Auch Willi Brase (SPD) lobte diese Form der Ausbildung und ging auf die schwierige Lage für junge Menschen in Südeuropa ein, wo die Jugendarbeitslosigkeit in mehreren Ländern mittlerweile bei über 50 Prozent liegt. "Wenn man sich die Zahlen anschaut, dann kann einem schon ein bisschen angst und bange werden." 5,7 Millionen junge Menschen müssten ohne wirkliche Perspektive leben. "Das ist sehr schlecht für die europäische Entwicklung", so Brase.

"Die schlechten Nachrichten werden überbewertet, die guten Nachrichten unterbewertet", zitierte Heiner Kamp (FDP) den früheren Präsidenten der Deutschen Bundesbank, Helmut Schlesinger. Schließlich hätte es zum fünften Mal in Folge mehr als doppelt so viele unbesetzte Ausbildungsplätze wie unversorgte Bewerber gegeben. "Mehr Anerkennung täte gut", mahnte er die Abgeordneten der Opposition. "Das duale System ist ein Flaggschiff unseres Bildungssystems."

Agnes Alpers (Die Linke) hingegen argumentierte, sie habe die "Zahlentricksereien" der Regierungskoalitionen satt. Der bildungspolitische Sprecher der Union, Albert Rupprecht, habe der Öffentlichkeit weiß machen wollen, dass 2012 auf jeden Bewerber zwei freie Ausbildungsstellen gekommen seien. Fakt sei jedoch, dass von den 560.000 gemeldeten Bewerbern nur 287.000 tatsächlich einen Ausbildungsplatz bekommen hätten. "Wann endlich hören Sie auf, die ganze Republik mit ihren Geschichten für dumm zu verkaufen?"

Kai Gehring (Bündnis 90/Die Grünen) räumte zwar ein, dass man die OECD-Studien so lesen könnte: "Dank des dualen Ausbildungssystems habe Deutschland eine geringe Jugendarbeitslosigkeit." Doch dies wäre eine "oberflächliche Betrachtung". Vielmehr stimme, dass das duale Ausbildungssystem in Deutschland vor allem Dank guter Konjunktur und wirtschaftlicher Stabilität so erfolgreich sei. Deshalb helfe es nicht, jetzt die duale Ausbildung in südeuropäische Krisenländer zu exportieren. "Denn eine duale Berufsausbildungssystem setzt florierende Betriebe voraus", sagte Gehring. "Man braucht eine prosperierende Wirtschaft statt einer kollabierenden Wirtschaft. Genau das fehlt den europäischen Krisenländern."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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