Inhalt

ORTSTERMIN: GROSSBILDPROJEKTION AM LÜDERS-HAUS
Julian Burgert
Historienszenen in der Fassade

Allmählich kommen immer mehr Menschen, die Treppe am Reichstagsufer gegenüber des Marie-Elisabeth-Lüders-Hause füllt sich. Viele Besucher machen es sich auf den Stufen gemütlich, packen Essen und Trinken aus, die warmen Sommertemperaturen laden gerade dazu ein.

Sie alle sind gekommen, um die Film- und Lichtprojektion "Dem deutschen Volke - Eine parlamentarische Spurensuche. Vom Reichtstag zum Bundestag" zu sehen, die der Bundestag vom 27. Juli bis zum 3. Oktober allabendlich am Spreeufer zeigt. Die kostenlose Vorführung beginnt bei Sonnenuntergang und dauert eine halbe Stunde, wobei immer zwei Vorführungen hintereinander kommen. An diesem Tag ist die Projektion gut besucht, für die erste Vorführung sind circa 650 Menschen vor Ort, auch die zweite Vorführung werden noch 180 Personen ansehen.

Der Film erzählt von der engen Verknüpfung des Reichstagsgebäudes mit der deutschen Parlamentsgeschichte der der vergangenen 130 Jahre: Vom Bau des Reichstagsgebäudes Ende des 19. Jahrhunderts über die Ausrufung der Republik 1918, die Zeit der Weimarer Republik, den Zweiten Weltkrieg, die Teilung Deutschlands und Berlins im Kalten Krieg bis hin zum Fall der Mauer 1989 und dem Wiederaufbau des Reichstagsgebäudes als Sitz des Bundestages in der Gegenwart. "Damit haben wir den gesamten Geschichtsunterricht des Schuljahres zusammengefasst", sagt Andrea Schuckelt begeistert über die Vorführung. Die Lehrerin befindet sich gerade auf Abschlussfahrt der 9. Klasse der Julius-Leber-Schule aus Breisach am Rhein nahe Freiburg. Nicht nur Schuckelt, sondern auch den Schülern gefällt die Show. "Der Film ist sehr gut gemacht und überhaupt nicht langweilig. Das ist wie Open-Air-Kino", urteilt zum Beispiel der vierzehnjährige Andrian Sellinger.

Sehr begeistert ist auch eine Gruppe Jugendlicher aus England. "Fantastic", meint einer aus der Gruppe. Die vier Jungs aus Leeds sind auf Interrail-Tour durch den Kontinent und bleiben ein paar Tage in der deutschen Hauptstadt. Besonders der Ort der Open-Air-Show, direkt neben dem Reichstag am Spreeufer, und die Musikuntermalung haben es ihnen angetan. Obwohl sie alle kein Deutsch sprechen, konnten sie dank der englischen Untertitel alles verstehen. Ein polnisches Pärchen findet, eine solche Show sollte es auch bei ihnen in Warschau geben. Sie wollen sie ihren Freunden unbedingt als Tipp für deren nächsten Berlinausflug empfehlen. "Wir haben tagsüber den Flyer gesehen und wollten das heute Abend einmal vor Ort erleben", erklärt Naida Slivo ihren Besuch. Die Hannoveranerin ist mit ihrem Freund auf Kurzurlaub in Berlin und findet, dass die Vorführung "ein Muss" für jeden Berlin-Besucher ist. Wie Naida sind die meisten Zuschauer Touristen. Viele internationale Gäste sind darunter, doch auch einige Berliner wurden von dem weithin hörbaren Ton angelockt.

Der Bundestag zeigt die Show bereits im zweiten Jahr in Folge. Aufgrund von Bauarbeiten am Gebäude wurde der Film im vergangenen Jahr auf eine Leinwand projiziert, die an einem Gerüst vor der Fassade des Marie-Elisabeth-Lüders-Haus angebracht war. Inhaltlich größtenteils gleich, wird der Film dieses Jahr direkt in das Auge der Fassade projiziert, wobei das Glasfenster mit einer speziellen Folie beklebt worden ist. Insgesamt zehn Projektoren sowie zahlreiche Scheinwerfer, Laser und Lautsprecherboxen sorgen zudem für die richtige Atmosphäre.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag