Inhalt

AUFGEKEHRT
Julian Burgert
Die heiße Phase

Ddie heiße Phase des Wahlkampfs steht vor der Tür. Insgesamt 38 Parteien buhlen um die Gunst der Wähler, darunter sind auch Exoten: Welches Abstimmungsverhalten zum Beispiel die NEIN!-Partei an den Tag legen würde, ergibt sich schon aus ihrem Namen. Fraglich ist, wie die Partei der Nichtwähler ihre Anhängerschaft mobilisieren will und ob ein norddeutscher Flachländer sein Kreuz ausgerechnet bei der Bergpartei machen wird. Eine Partei der Vernunft schadet in der Politik nie, ebenso wie die Partei Gesunder Menschenverstand Deutschland. Und die Partei für Arbeit Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative, kurz Die Partei, hat sich viel vorgenommen, zielt sie doch auf ein Wahlergebnis von 100 Prozent plus x. Da braucht man keine Koalition mehr.

In ganz Deutschland werden die Kandidaten von Tür zu Tür tingeln und nicht nur einen Eierlikör dabei trinken. Auf Marktplätzen und in Fußgängerzonen werden massig Hände geschüttelt und Babys geküsst, Peer Steinbrück wird kostenlos Reden halten und Rainer Brüderle auch auf Krücken Wahlkampf machen. Wer keine Kugelschreiber oder Parkuhren mehr hat, der kann seinen Vorrat jetzt aufstocken. Auf jeder Rasenfläche lächeln uns verdächtig makellos aussehende Konterfeis von Angela Merkel oder Katrin Göring-Eckardt zu, an der Autobahnabfahrt grüßt Gregor Gysi. Hinzu kommen die TV-Wahlwerbespots, für die es schon längst einen eigenen Oscar geben sollte. Darüber könnte dann gleich mit abgestimmt werden, vielleicht erhöht das die Wahlbeteiligung. Wer wird wohl bester Hauptdarsteller? Der Preis könnte dann gleich am Wahlabend vergeben werden, mit dem vorläufigen Endergebnis. Und der Oscar geht an...

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag