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ORTSTERMIN: BESUCHERGRUPPE AUS GÜTERSLOH
Julian Burgert
Jetzt weiß ich, welche Partei wo sitzt

Der Deutsche Bundestag ist das meistbesuchte Parlament der Welt. So haben im Jahr 2012 rund 2,3 Millionen Menschen den Bundestag besucht, davon allein 1,2 Millionen ausschließlich die Reichstags-Kuppel. Die Gäste können unter anderem das Dach des Reichstagsgebäudes besichtigen, Vorträge über die Arbeit des Parlamentes anhören und in Sitzungswochen auf der Besuchertribüne Plenarsitzungen verfolgen. In der sitzungsfreien Zeit bietet der Bundestag zudem Führungen durch das Reichstagsgebäude an. Schließlich sollen die Menschen sehen, wo und wie ihre Volksvertreter für sie arbeiten.

An einer Tour durch den Bundestag nimmt auch die dreizehnjährige Alea teil, und die findet den Besuch im Parlament "voll spannend". Sie ist Teil einer Gruppe von 40 Jugendlichen und Betreuern aus Gütersloh, die in der Vorbereitung zur Konfirmation eine Woche nach Berlin gefahren sind und dabei auch das Reichstagsgebäude besichtigen. "Wir haben auch die Möglichkeit wahrnehmen wollen, das politische Berlin kennenzulernen", erklärt Reinhard Kölsch. Der Pastor hat die Reise mit organisiert und begleitet die Gruppe. Politische Bildung ist wichtig, findet er, denn "man kann gar nicht früh genug damit anfangen, den Jugendlichen bewusst zu machen, dass Politik etwas zum Anfassen ist, bei dem wir uns auch alle einbringen können."

"Das Reichstagsgebäude ist so eine Art Zentrale der Politik in Deutschland", fasst Katja Reissmer vom Besucherdienst des Bundestages gleich zu Beginn des Rundgangs die Bedeutung des Hauses zusammen. Sie führt die Kinder durch das Parlamentsgebäude und erklärt ihnen die Aufgaben, Arbeitsweisen und Zusammensetzung des Parlaments sowie die Geschichte und Architektur des Reichstagsgebäudes. Und das macht sie möglichst kindgerecht, denn viele der Begrifflichkeiten sind für die Jungen und Mädchen im Alter von 13 bis 14 Jahren neu. Doch die Kinder hören gespannt zu. "Wisst ihr was Politik ist?", fragt Reissmer und erklärt: "Politik kommt vom griechischen Wort für Staat, Polis, und bedeutet so viel wie Staatskunst." Damals hätten noch alle Bewohner einer Stadt in einer Versammlung über Gesetze abgestimmt, die das Zusammenleben in der Stadt regelten. In einem Land mit 80 Millionen Einwohnern wie Deutschland sei das aber nicht mehr möglich. "Deshalb wählen wir Delegierte, die die Entscheidungen für uns treffen. Und die arbeiten dann hier, im Bundestag."

Zum Abschluss der Führung, in der die Teilnehmer unter anderem den Andachtsraum des Bundestages, die Präsi-dialebene und den Plenarsaal gesehen haben, geht es noch einmal auf das Dach des Reichstagsgebäudes. Für Anne-Maria (13) ist es der erste Besuch in Berlin und auch im Bundestag. Am Besten gefällt ihr der Plenarsaal, denn den kannte sie bisher nur aus dem Fernsehen. "Jetzt weiß ich, welche Partei wo sitzt", sagt sie. "Das ist alles so groß hier", findet Lasse (13). Ihm gefallen am Besten die Informationstafeln zur Geschichte des Gebäudes. Simon (13) hätte gerne noch einen Politiker gesehen, doch momentan ist Sitzungspause. Trotzdem meint er: "Der Besuch hat sich echt gelohnt."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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