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VOR 10 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Johannes Rau verzichtet

4. September 2003: Johannes Rau will keine zweite Amtszeit

"Das hat seinen Grund in meiner persönlichen Lebensplanung", erklärte Johannes Rau (SPD) am 4. September 2003 seine Entscheidung. Der damals 72-jährige Bundespräsident kündigte an diesem Tag an, auf eine Bewerbung für eine zweite Amtszeit zu verzichten. Der Sozialdemokrat hatte sich im Mai 1999 gegen Dagmar Schipanski durchgesetzt und wurde zum achten Bundespräsidenten gewählt.

Seine Amtszeit hatte Rau - Sohn eines Predigers, überzeugter Christ und deswegen bisweilen "Bruder Johannes" genannt - unter das Motto "Versöhnen statt spalten" gestellt. Vor allem für die Integration von Ausländern und Minderheiten setzte er sich ein. In seiner ersten Berliner Rede forderte er eine geregelte Einwanderungspolitik. Auch bei seinen insgesamt 76 Auslandsreisen stand das Thema Aussöhnung ganz oben auf seiner Liste. So sprach er im Jahr 2000 als erstes deutsches Staatsoberhaupt vor dem israelischen Parlament. In deutscher Sprache bat er das jüdische Volk um Vergebung für die Verbrechen im Dritten Reich. 1999 wurde Rau vorgeworfen, in eine Flugaffäre verwickelt zu sein. In seiner Zeit als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen soll er Reisen auf Kosten der WestLB unternommen haben.

Raus Wahl zum Bundespräsidenten 1999 war übrigens bereits sein zweiter Anlauf: Fünf Jahre zuvor hatte er gegen Roman Herzog verloren. 2004 wurde dann Horst Köhler zu Raus Nachfolger gewählt.

Johannes Rau starb am 27. Januar 2006 in Berlin.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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