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ORTSTERMIN: ERWEITERUNGSBAU DES MARIE-ELISABETH-LÜDERS-HAUSES
Julian Burgert
Neue Räume für den Bundestag

Kräne heben Betonplatten an langen Stahlseilen an die richtigen Stellen. Stahlträger recken sich gen Himmel. Zwischen ihnen hämmern, sägen und schrauben die Bauarbeiter, der Betonmischer röhrt im Hintergrund.

Der Bundestag baut: An der Luisenstraße neben der Spree, direkt in Berlin-Mitte, errichtet der Bundestag derzeit die Erweiterung des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses. "Die Verlängerung des Hauses war ursprünglich schon beim Bau des Lüders-Hauses mit eingeplant", erklärt Johannes Heyne vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR). Das Bundesamt ist für alle Bauten des Bundes und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zuständig. Die Erweiterung vollende jetzt das sogenannte "Band des Bundes", eine Gebäudekette bestehend aus Bundeskanzleramt, Paul-Löbe-Haus und Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Der Neubau gleicht dabei von Stil und Aufbau den bisherigen Bauten des Bundestages: Die regelmäßige Kammstruktur des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses mit den tiefen Innenhöfen und den durch die Glasfassaden einsichtbaren Büroflügeln wird fortgesetzt, sogar der gleiche Sichtbeton verwendet. Die Architektur soll dabei das Transparenzprinzip der deutschen Demokratie symbolisieren. "Man kann den Abgeordneten quasi bei der Arbeit zusehen", sagt Heyne.

Der Ältestenrat des Bundestages traf die Entscheidung zum Ausbau 2004, Spatenstich war 2010. Aufgrund einer Rechtsstreitigkeit im Vergabeverfahren konnte mit dem Bau jedoch erst im November 2011 begonnen werden. Momentan steht der Rohbau kurz vor der Vollendung. "Insgesamt sind knapp unter 40 Prozent des Erweiterungsbaus fertig", sagt Heyne. Derzeit arbeiteten circa 150 Personen auf der Baustelle, zu Spitzenzeiten werden über 40 Firmen und bis zu 400 Personen zeitgleich auf der Baustelle sein, erklärt er die Dimensionen. Die Gesamtkosten des Baus belaufen sich auf 190 Millionen Euro, die Fertigstellung ist für den Sommer 2015 geplant.

"Im fertigen Gebäude sollen später einmal 340 Büros untergebracht werden", berichtet Hans Zieger von der Bundestagsverwaltung, Referat Bauplanung und Liegenschaften. "Dazu kommen Besprechungsräume, Archivflächen, Kunstausstellungsbereiche und gastronomische Einrichtungen." Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus beherbergt derzeit das "parlamentarische Gedächtnis" des Bundestages. Teile der wissenschaftlichen Dienste, die Parlamentsbibliothek und die dazugehörigen Archive sind hier untergebracht. Sie sollen auch im Neubau weiterhin erhalten bleiben. Die derzeitige Halle im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus wird mit dem Erweiterungsbau verbunden. Entlang der Luisenstraße wird auf dem vom Architekten Stephan Braunfels geplanten Gebäude ein turmartiger Aufbau entstehen, der mit 36 Metern genauso hoch sein wird, wie das Kanzleramt. Das Gesamtensemble erhält an der Straße einen neuen repräsentativen Haupteingang. Über diesem soll eine öffentlich zugängliche "Stadtloggia" entstehen, die über eine seitliche Treppe und einen Aufzug erreicht werden kann. Hier wird der neue Kunstraum des Bundestages untergebracht werden, der bisherige Kunstraum am Spreeufer dafür zu einem öffentlichen Bistro umgebaut werden. Ebenfalls leichter zugänglich wird der Lesebereich des Parlamentsarchivs, der entlang der Luisenstraße auf Straßenniveau angeordnet wird.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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