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VOR 60 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Adenauer, die Zweite

9. Oktober 1953: Kanzler wiedergewählt

Es ist eine Binsenweisheit: Wahlen sind immer auch Abstimmungen über den politischen Kurs. Vor allem bei den ersten Bundestagswahlen ging es darum zu entscheiden, in welche Richtung sich die junge Bundesrepublik entwickeln sollte. Die Wahl zum 2. Deutschen Bundestag am 6. September 1953 war eine Bestätigung für die Politik Konrad Adenauers (CDU). Am 9. Oktober wählte ihn der neue Bundestag dann erneut zum Kanzler.

Der Spitzenkandidat der SPD, Erich Ollenhauer, entpuppte sich dagegen als chancenlos. Als "farblos" und "wenig charismatisch" wird er heute beschrieben. Und auch die Politik der Sozialdemokraten, die mit der UdSSR Verhandlungen über die Wiedervereinigung führen wollten, stieß auf wenig Gegenliebe. Darüber hinaus schürte der Aufstand in der DDR am 17. Juni 1953 im Westen die Angst vor dem Kommunismus und ließ die Wiedervereinigungsangebote von SED und UdSSR als leere Versprechen erscheinen - ein Pluspunkt für Adenauers eingeschlagene Westintegration. Auch die Entscheidung für die soziale Marktwirtschaft schien angesichts des 1952 einsetzenden Aufschwungs richtig gewesen zu sein. Entsprechend deutlich fiel das Wahlergebnis aus: Die Union kam auf 45,2 Prozent, die SPD gerade einmal auf 28,8. Am Ende schmiedete Adenauer eine Koalition mit der FDP, der Deutschen Partei (DP) und der Vertriebenenpartei GB/BHE (Gesamtdeutscher Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten) (siehe Seite 5).

Aus Politik und Zeitgeschichte

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