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VOR 50 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Ende der Ära Adenauer

16. Oktober 1963: Erhard wird Kanzler

Es war ein Abschied mit Ansage: Am 15. Oktober 1963 trat Kanzler Konrad Adenauer (CDU) von seinem Amt zurück. Der damals 87-Jährige hatte in den Jahren zuvor an Rückhalt verloren - und bei der Bundestagswahl 1961 auch die absolute Mehrheit. Viele hätten schon damals gerne den "Vater des Wirtschaftswunders", Ludwig Erhard (CDU), als Regierungschef gesehen. Adenauer aber konnte sich mit diesem Gedanken nie anfreunden.

Der innerparteiliche Kampf ums Kanzleramt hatte schon 1959 begonnen. Viele in der Union sahen Erhard als perfekten Adenauer-Erben. "Der Alte" dagegen hielt von Erhard nicht viel, sah ihn als Lebemann und vor allem außenpolitisch als talentfrei. Wohl um Erhards Kanzlerschaft zu verhindern, brachte Adenauer ihn als Bundespräsidenten ins Gespräch. Doch Erhard zog seine Kandidatur wieder zurück. Trotz der Wahlniederlage 1961 konnte sich Adenauer erneut durchsetzen: In den Koalitionsverhandlungen mit der FDP einigte man sich, ihn wieder zum Kanzler zu wählen, aber nicht für die ganze Legislaturperiode. Als nach der "Spiegel"-Affäre die FDP-Minister Ende 1962 zurücktraten und die schwarz-gelbe Koalition neu geschmiedet werden musste, sagte Adenauer seinen Rücktritt für Oktober 1963 verbindlich zu.

Damit war der Weg frei für Erhard, der am 16. Oktober 1963 mit 279:180 Stimmen zum Kanzler gewählt wurde. Mit seinem Nachfolger scheint sich Adenauer nie arrangiert zu haben. Noch im Wahlkampf 1965 wetterte er gegen Erhard: "Ich habe das Gefühl, als wenn ich hier und dort noch notwendig wäre."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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