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Susanne Kailitz
Plenarsaal wird weiblicher

STATISTIK Der deutsche Durchschnittsparlamentarier ist männlich und 50 Jahre alt

Bei aller Freude über den Wahlsieg: Ein Wunsch von Wolfgang Schäuble (CDU) hat sich am 22. September nicht erfüllt. Der neue Bundestag ist nicht älter als der alte. Kurz vor der Wahl hatte sich der inzwischen 71-jährige Bundesfinanzminister mehr Senioren im Parlament erhofft; nur dann sei das Parlament auch wirklich ein Spiegelbild der alternden Gesellschaft.

Schäubles Hoffnung platzte: Im Schnitt sind die Abgeordneten des 18. Deutschen Bundestags 49,8 Jahre alt - bei Beginn der vergangenen Wahlperiode lag der Altersschnitt mit 49,3 Jahren nur unwesentlich darunter. Wirklich anders war das auch nie: Mit 46,6 Jahren war der siebte Bundestag, der sich 1972 konstituierte, der jüngste aller Zeiten. Am höchsten war der Altersschnitt mit 52,3 Jahren 1961 zu Beginn der vierten Wahlperiode. Allerdings ist der neue Bundestag im Vergleich zum Durchschnittsalter der Deutschen von rund 43 Jahren doch älter.

Die Ältesten und Jüngsten

Der Senior des neuen Bundestags ist unangefochten Heinz Riesenhuber (CDU). Der 77-jährige ehemalige Bundesforschungsminister war schon in der vergangenen Wahlperiode Alterspräsident des Parlaments. Ebenfalls zu den Oldies zählen mit 74 beziehungsweise 72 Jahren der Grüne Hans-Christian Ströbele und der CDU-Abgeordnete Helmut Nowak. Erst 26 Jahre alt sind die drei jüngsten Parlamentarier: Mahmut Özdemir (SPD), Johannes Eberhard Steininger (CDU) und Emmi Zeulner (CSU).

25 Frauen mehr

Auch wenn sich in Sachen Altersstruktur im neuen Bundestag nicht viel verändert hat, gibt es doch einen neuen Rekord an anderer Stelle zu vermelden: Nie war das Parlament so weiblich wie in dieser 18. Legislatur. 229 der insgesamt 631 Abgeordneten sind Frauen. Mit 36,3 Prozent entspricht das zwar immer noch nicht dem Frauenanteil an der Gesamtbevölkerung - der liegt bei 51,1 Prozent -, ist aber so hoch wie nie zuvor. Mit mageren 6,8 Prozent Frauen unter den Abgeordneten startete 1949 der erste Bundestag und knackte erst 1987 mit 15,4 Prozent die Zweistelligkeit. In der vergangenen Wahlperiode zählte das Parlament einen Frauenanteil von 32,8 Prozent. Jetzt sind es 25 Parlamentarierinnen mehr.

Den höchsten Frauenanteil hat dabei die Linksfraktion: 36 von 64 Abgeordneten sind weiblich. Einen ähnlichen Schnitt weisen die Grünen auf. Bei ihnen liegt der Frauenanteil bei 55 Prozent. Bei den Sozialdemokraten gingen noch 42,2 Prozent der Mandate in weibliche Hände; bei der Union ist es nur knapp ein Viertel. Noch kurz vor der Wahl urteilte die Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF) in Berlin nach Auswertung der Landeslisten und Wahlkreiskandidaturen, auch die Bundestagswahl 2013 sei "keine gute Wahl für die Gleichstellung". Freilich ist nicht zu übersehen, dass die Frauenquote im Parlament in den vergangenen 40 Jahren deutlich angestiegen ist (siehe Grafik).

Migrationshintergrund

Ebenfalls zugenommen hat die Zahl der Abgeordneten mit Migrationshintergrund beziehungsweise einem Elternteil, das eingewandert ist. Künftig stimmen 34 von ihnen über Gesetzesvorhaben ab, das sind 5,4 Prozent. Im 17. Bundestag waren es nur 3,4 Prozent. Erstmals gibt es im Parlament zwei Abgeordnete mit afrikanischen Wurzeln: Für die SPD zog der Chemiker Karamba Diaby aus Halle (Saale) ein, der im Senegal geboren wurde (siehe auch Seite 6). Für die CDU holte der Darmstädter Schauspieler Charles M. Huber, Sohn eines senegalesischen Diplomaten, das Mandat.

Vergrößert hat sich auch der Anteil türkischstämmiger Parlamentarier: von fünf auf elf im neuen Bundestag. Weil aber insgesamt 19 Prozent aller Deutschen einen Migrationshintergrund hätten, kommt das Demographie Netzwerk zu dem Schluss, hinsichtlich der Präsenz von Abgeordneten mit Migrationshintergrund bestehe noch "deutlicher Nachholbedarf", auch wenn sich die Sache "in die richtige Richtung" bewege.

Arbeitslose und Hausfrauen

Legt man an das deutsche Parlament die Messlatte an, seine personelle Besetzung müsse ein Spiegelbild der Gesellschaft sein, eröffnet ein Blick auf die Berufe der Abgeordneten gewisse Diskrepanzen. Hier offenbart ein Blick auf eine vorläufige Auswertung der Redaktion des "Kürschner Volkshandbuchs", dass sowohl Arbeitslose als auch Hausfrauen im Parlament fast überhaupt nicht repräsentiert sind. Lediglich in der Aufstellung der Unionsfraktion findet sich ein arbeitsloser Abgeordneter, die drei einzigen Hausfrauen und Hausmänner im Bundestag sind Mitglieder der SPD-Fraktion.

Zum Vergleich: Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden zählte im August 2013 insgesamt 2,85 Millionen Erwerbslose, das entspricht einer Quote von 6,6 Prozent. Und laut Statistik sind sechs Millionen Frauen im erwerbstätigen Alter freiwillig zu Hause - und wohl auch deshalb im Bundestag kaum vertreten.

Stark vertreten sind hingegen traditionell Beamte und Angestellte aus dem öffentlichen Dienst: 187 mit diesem beruflichen Hintergrund zählt die Kürschner-Redaktion, außerdem 111 Mitarbeiter von Parteien, Fraktionen, Abgeordneten oder Gewerkschaften.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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