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AUFGEKEHRT
Julian Burgert
Rezeptetausch à la NSA

Jetzt ist es also heraus, das Geheimnis. Alle Verschwiegenheit hat nichts genützt. Nachdem nun auch das Mobiltelefon unserer Kanzlerin abgehört wurde, weiß der amerikanische Geheimdienst NSA sogar das letzte Staatsgeheimnis Deutschlands: Das Rezept Angela Merkels berühmter Kartoffelsuppe!

Was ranken sich da nicht Geschichten um dieses sagenumwobene Gericht. Politische Feindschaften sollen dank ihm beendet, Koalitionen geschmiedet und neue Freundschaften geknüpft worden sein. Abgeordnete, Minister und Journalisten kamen schon in den Genuss. Der amerikanische Präsident anscheinend noch nicht. Bis jetzt.

Allerdings rückt diese letzte Enthüllung die Schnüffelei der NSA in ein vollkommen anderes Licht. Sollte womöglich gar nicht der Terrorismus bekämpft, sondern einfach nur der Speiseplan des Weißen Hauses aufgefrischt werden? Jeden Tag Hamburger und Sandwiches ist schließlich auch langweilig.

Wenn dem so ist, hätten die Feinschmecker aus Washington reiche Beute gemacht. Von den Franzosen "Coq au vin", Froschschenkel und "Boeuf Bourguignon". Von den Brasilianern "Feijoada", ein Bohneneintopf mit Fleisch, das Nationalgericht des Landes. Und von den Mexikanern Nachos und Burritos.

Da bleibt uns als Reaktion nur noch eine Möglichkeit, nämlich Gegenspionage. Das Ziel: Das Geheimrezept für Obamas Bier, das eigens für ihn im Weißen Haus entwickelt und gebraut wurde. Als Biernation können wir uns dieses Schmankerl natürlich nicht entgehen lassen. Allerdings sind wir dafür etwas zu spät, das Rezept wurde auf Drängen einer Online-Petition schon veröffentlicht. Macht aber nichts, es entspricht eh nicht dem deutschen Reinheitsgebot.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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