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Susanne Kailitz
Pisa-Erfolg stößt auf geteiltes Echo

BILDUNG Trotz erreichter Verbesserungen sieht die Opposition das Schulsystem "in Schieflage"

Zwölf Jahre nach dem Schock kam der Erfolg: In der Pisa-Studie 2012 liegt Deutschland erstmals in allen Testbereichen über dem OECD-Durchschnitt. In der ersten Pisa-Studie aus dem Jahr 2000 hatten die Experten dem bundesdeutschen Schulsystem viel schlechtere Noten gegeben und festgestellt, dass der Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozialer Herkunft nirgends größer war als hierzulande.

"Viel bewirkt"

Die gute Bewertung jetzt stößt im Bundestag allerdings auf ein geteiltes Echo. Das wurde in der Debatte zur Pisa-Studie 2012 am vergangenen Donnerstag deutlich. So betonte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU), der "Pisa-Schock" des Jahres 2000 habe "enorm viel bewirkt": Seitdem stehe Bildung auf der Agenda "ganz weit oben". Dass deutsche Schüler im Bereich der Naturwissenschaften inzwischen der Spitzengruppe angehörten und in Mathematik und Lesen über dem Durchschnitt der OECD-Staaten lägen, sei "ein großer Erfolg". Gleiches gelte für die Tatsache, dass die Zahl der Schüler mit niedrigeren Kompetenzen zurückgegangen sei und sich gleichzeitig deren Ergebnisse verbessert hätten.

Die Ergebnisse seien aus deutscher Sicht "höchst erfreulich", sagte für die CSU Albert Rupprecht. Deutschland liege "signifikant über dem OECD-Schnitt" und habe sich "vier Mal hintereinander" verbessert; dies sei keinem anderen Land gelungen. Die Sozialdemokraten mahnten aber weitere Schritte an. So sagte ihr Bildungsexperte Ernst Dieter Rossmann, die Einsicht sei wichtig, dass die Bildungsbiographie bereits in der frühen Kindheit beginne. Frühkindliche Bildung in den Kitas und Leistungen der Erzieher müssten verbessert werden. Zudem solle der Bund die Qualitätsentwicklung in den Schulen begleiten und zudem die Qualifizierung der Lehrerkräfte unterstützen.

Keine Chancen

Kritisch äußerte sich dagegen die Opposition. Rosemarie Hein (Die Linke) betonte, Deutschland nehme nur Platz 16 unter den 65 teilnehmenden Staaten ein; das sei kein Grund zum Jubeln. Die Hälfte der Hauptschüler und zehn Prozent der Realschüler erreichten lediglich die unterste Kompetenzstufe; damit hätten sie keine Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Noch immer habe die Herkunft einen "viel zu großen Einfluss" auf Abschluss und Lernergebnisse. Für die Grünen sagte Özcan Mutlu, das deutsche Schulsystem befinde sich "in Schieflage". 18 Prozent der Schüler gehörten zur Risikogruppe, die überproportional gefährdet sei. Bildung sei auch heute "noch entscheidend vom Geldbeutel der Eltern abhängig": "Das war, ist und bleibt ein Skandal".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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