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ORTSTERMIN: AUSSTELLUNG ZU DEMOKRATIE UND DIKTATUR
Linda Dietze
Darauf hinweisen, was stattgefunden hat

Es ist nur ein Foto, ein Bild an einer Ausstellungstafel im Paul-Löbe-Haus des Bundestages. Und doch erzählt es ein trauriges Kapitel der deutschen Geschichte: Wehrmachtssoldaten reißen einen Schlagbaum an der Grenze zu Polen nieder - schwerbewaffnet und mit voller Wucht. Die Aufnahme stammt vom September 1939, es ist der Beginn des Zweiten Weltkrieges. Das war vor 75 Jahren. Dies ist jedoch nur ein einschneidendes Ereignis der deutschen und europäischen Geschichte, das sich 2014 jährt. 100 Jahre Erster Weltkrieg, 25 Jahre friedliche Revolution im Ostblock, zehn Jahre EU-Osterweiterung sind weitere bedeutende Momente, mit der sich die Ausstellung "Diktatur und Demokratie im Zeitalter der Extreme" im Deutschen Bundestag auseinandersetzt. Vergangenen Mittwoch wurde sie von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) eröffnet.

Auf 26 Tafeln und rund 190 Fotos präsientiert sich die turbulente Geschichte Europas im 20. Jahrhundert - schonungslos, emotional und nachhaltig. Denn die Ausstellung zeigt in besonderer Weise, wie eng Krieg und Frieden im letzten Jahrhundert in Europa beinander lagen.

Doch zugleich solle die Schau das Bewusstsein dafür schärfen, die aktuellen Krisen in Europa gemeinsam und friedlich zu lösen, meinte Anna Kaminsky, Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Dafür haben sich die Macher etwas Besonderes einfallen lassen: 3.000 Exemplare der Informationstafeln der Ausstellung sollen in verschiedenen Institutionen, Schulen und Verbänden für die Geschichte und Gegenwart sensibilisieren. Das Auswärtige Amt verbreitet die Schau weltweit in zehn Sprachfassungen. So ist die Ausstellung an mehreren Orten gleichzeitig präsent und zeigt ein Europa zwischen Diktatur und Demokratie auf dem Weg zu einem geeinten Kontinent.

Die Ausstellung schlägt einen Bogen von der "Urkatastrophe", dem Ersten Weltkrieg, über die Weimarer Republik, die Stalin- und Hitler-Diktatur, den Zweiten Weltkrieg, die Ost-Westteilung Europas bis hin zur Wende im Ostblock und dem 1990 wiedervereinten Deutschland.

Es ist eine Ritt durch die Historie. Die Fotos und Informationstexte machen die Geschichte lebendig. Sie schärfen die Erinnerung auf ein Europa im 20.Jahrhundert, in einem Zeitalter der Extreme.

"Es gibt viele gute Gründe im Allgemeinen und viele gute Gründe für Deutschland darauf hinzuweisen, was im vorherigen Jahrhundert stattgefunden hat", eröffnete Bundestagspräsident Lammert die Ausstellung. "Dass wir heute in Europa in Verhältnissen leben, die vor 25 Jahren niemand für möglich gehalten hatte, ist ein Indiz dafür, dass die Geschichte manchmal erstaunliche Wendungen nimmt." Vor allem könne man sich in der Ausstellung nicht nur mit den Ereignissen selbst, sondern auch mit ihren Ursachen und Wirklungen intensiv auseinandersetzen. Denn die Gegenwart beinhaltet stets ein Stück Geschichte.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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