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VOR 45 JAHREN ...
Benjamin Stahl
DDR verbietet Durchreise

3. Februar 1969:

Per Flugzeug zur Bundesversammlung Als im April 1965 der Bundestag in West-Berlin tagte, jagten sowjetische Düsenjets über die Stadt. Sie durchbrachen die Schallmauer, feuerten Platzpatronen ab. Immer wenn die Bundesrepublik Präsenz im Westen der geteilten Stadt zeigte, war das den Machthabern jenseits des Eisernen Vorhangs ein Dorn im Auge. Auch vier Jahre später erschienen wieder Kampfflugzeuge am Berliner Himmel. Diesmal wegen der Bundespräsidentenwahl am 5. März in der Ostpreußenhalle in West-Berlin. Die Störmanöver aus dem Osten begannen schon am 3. Februar 1969: DDR-Innenminister Friedrich Dickel untersagte allen Mitgliedern der Bundesversammlung ab dem 15. Februar bis auf Weiteres die Durchreise. Die 1.036 Mitglieder der Bundesversammlung konnten die Veranstaltung ab diesem Datum nur noch über den Luftweg erreichen.

Schon 1959 und 1964 hatten Sowjetunion und DDR die Bundespräsidentenwahlen in West-Berlin als Provokation verstanden. Und schon damals hatte man mit Protesten reagiert. So stellte sich 1969 nicht die Frage, ob, sondern wie sehr die Wahl gestört werden würde. "Wir sind heute in Berlin nicht aus Gründen des Prestiges oder der Rechthaberei", sagte Versammlungspräsident Kai-Uwe von Hassel (CDU). "Wer uns Provokation vorwirft, übersieht oder verschweigt, dass wir nichts beanspruchen, was uns nicht zusteht." Dennoch war Gustav Heinemann (SPD) 1969 der letzte Bundespräsident, der bis zum Mauerfall in Berlin gewählt wurde. z

Aus Politik und Zeitgeschichte

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