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AUFGEKEHRT
Johanna Metz
Von hinten betrachtet

Das ist doch alles für den A…!, muss sich so manches FDP-Mitglied nach monatelangem Wahlkampf und dann doch verlorener Bundestagswahl gedacht haben. Wie sonst ist das aktuelle Promoplakat der Jungen Liberalen zu erklären? Die FDP musste aus dem Bundestag ausziehen, und die JuLis haben das offenbar so persönlich genommen, dass sie sich gleich selbst ausgezogen haben. Auf der Website der liberalen Jugendorganisation präsentieren sich die sieben Mitglieder des Vorstands jedenfalls vollkommen nackt an eine Wand gelehnt, die Kamera blickt mit elegant schwarz-weißer Linse auf ihre blanken Popos. Darunter die Zeile: "Wer hätte gedacht, dass wir einmal die Ideale der 68er verteidigen müssen?" Der Begriff "Apo" bekommt so im Jahr 2014 eine ganz neue Bedeutung.

Man könnte nun meinen, die Liberalen wollten Rache an ihren Wählern - oder vielmehr ihren Nichtwählern - nehmen. So nach dem Motto: Leckt uns doch am Allerwertesten, wir kommen auch ohne euch klar! Aber das wäre viel zu böse interpretiert, dafür ist der Anblick der sieben Podexe auch zu entzückend. Wohlwollend sollte man eher unterstellen, dass sich die FDP sehr schnell in ihre neue Rolle in der Opposition gefügt hat. Die JuLis signalisieren: Hey, wir kämpfen uns wieder von ganz hinten nach vorne, reißen uns weiter den Hintern auf für die Interessen von Apothekern und gegen ein Tempolimit auf deutschen Straßen.

Facebook hat das Foto mit den entblößten JuLi-Popos übrigens gleich wieder löschen lassen. Die nackten Nachwuchspolitiker haben wohl gegen die "Community Standards" des sozialen Netzwerks verstoßen. Das ist nicht überraschend: Es heißt ja auch "Facebook" und nicht "Assbook".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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