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AUFGEKEHRT
Peter Stützle
Raufen für Ramsauer

So viel Generosität unter Gegnern ist selten. Noch bevor die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, Gerda Hasselfeldt, am Mittwochabend in der Bayerischen Landesvertretung einen Empfang für ihren Vorgänger Peter Ramsauer gab, der gerade sechzig geworden war, machten ihm die Grünen im Plenarsaal des Bundestages ein ganz besonderes Geschenk.

Ungewollt hatte sie der Jubilar selbst auf die Idee gebracht. Er "schließe nicht aus", hatte Ramsauer in einem Interview gesagt, dass man in ein paar Jahren angesichts aus dem Ruder laufender Energiekosten zu dem Schluss kommen könnte, lieber die Atomkraftwerke noch etwas länger laufen zu lassen. Auch wenn das derzeit niemand wolle (treuen Augenaufschlag bitte dazudenken).

Sofort erkannten die Grünen die Chance für ein versöhnliches Signal an die Schwarzen und beantragten eine Aktuelle Stunde zu Ramsauers Äußerungen (siehe Seite 10). Schließlich weiß der Ober-Grüne aus München, der Hofreiter Toni, was für einen g'standenen Bayern wie Ramsauer der Höhepunkt eines gelungenen Festes ist: a g'scheit's Raffats (Rauferei).

Denen, die das nicht glauben wollen, lieferte danach Ramsauers Vorgänger als Chef der christ-sozialen Parlamentariertruppe, der gute alte Michael Glos, den empirischen Beweis. "Der Anteil von Verurteilungen für gefährliche Körperverletzung", so führte der Mainfranke vor den Gästen in der Bayern-Vertretung aus, "ist in Altbayern doppelt so hoch wie in Franken." Der vom Gegner derart trefflich Beschenkte konnte sich denn auch noch am Abend vor Freude kaum halten. Voller Dankbarkeit rief er den Grünen zu: "Macht's es zum 65sten wieder so!"

Aus Politik und Zeitgeschichte

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